Unsere Reise
Am 1. Juni flogen wir via Montreal nach Quebec. Da wir für das innerkanadische Teilstück mit einer Turboprop unterwegs waren, hatten unsere Räder keinen Platz!!! Doch man beruhigte uns, dass sie im nächsten Flug dabeisein werden. So konnten wir in Ruhe die wunderschöne Stadt Quebec erkunden und ein feines Nachtessen geniessen. Danach ging es ins Hotel zurück - und siehe da - unsere Velos standen in der Lobby!!!
Montag, 2. Juni 2008
We are on the road!!! Nachdem wir unsere Räder zusammengestellt hatten, starteten wir unser Abenteuer um 0852 und verliessen Quebec bei kühlen 10 Grad. Die ersten 50 Kilometer waren ein stetes Auf und Ab, doch die wunderschöne Landschaft entschädigte für alles. Am Ende der ersten Etappe fanden wir eine 200-jährige Auberge, wo wir ein exzellentes Abendessen geniessen durften.
Distanz: 101 km Total: 101 km Schnitt: 18.1 km Höhenmeter: 562 m Wetter: bedeckt Wind: West 20 km
Dienstag, 3. Juni 2008
Eine herrliche Flachetappe. Zu Beginn auf regennassen Strassen, doch im Laufe des Morgens trockneten sie ab und das Wetter wurde von Stunde zu Stunde sonniger. Ein wunderschöner Radlertag. Mein Schatz Ruth spult diese Etappen ab, als ob sie das schon immer gemacht hätte. Aktuelle Fotos werden demnächst ins Netz gestellt.
Distanz: 110 km Total: 211 km Schnitt: 19.5 km Höhenmeter: 171 m Wetter: bedeckt, sonnig Wind: West 10 km
Mittwoch, 4. Juni 2008
Unser Ziel war heute Montreal! Es wurde eine Halbetappe mit Rückenwind! Die Prognose war Dauerregen, doch von Beginn an schien die Sonne und als wir um halb 12 unser Hotel in Montreal bezogen, war es immer noch schön. Also die Traumdeuter von Quebec sind miserabel, bis jetzt hatten wir immer anderes Wetter als angesagt. Da lob ich mir Bucheli und Co. und meine Kollegen in Wien, gäll Lenz!! Zum Glück für uns, denn wir wurden noch nie nass! Jetzt gehts in die Altstadt zum Bummeln!!!
Distanz: 78 km Total: 289 km Schnitt: 21.8 km Höhenmeter: 188 m Wetter: sonnig Wind: Südost 20 km
Donnerstag, 5. Juni 2008
Nach unserem halben Ruhetag in Montreal, mit Altstadtbummel, starteten wir heute morgen Richtung Ottawa. 2 Stunden stop-and-go durch die Stadt auf einem Super-Radweg mit tausenden Radlern, die zur Arbeit fuhren. Sehr diszipliniert!!! Danach gings dem Ottawa-River entlang auf der Route Verte 1. Der Vorteil dieser Strecke - fast kein Traffic, jedoch auch keine Hotels und Beizen! So mussten wir in Grenville, unserem Tagesziel, rüber nach Ontario wechseln, wo wir in einem Best Western logieren konnten. Bis vor 5 Tagen war ein Swiss-Restaurant darin integriert, doch der Wirt, ein Schweizer, ist verschwunden - oops!!!
Distanz: 116 km Total: 405 km Schnitt: 19.1 km Höhenmeter: 544 m Wetter: sonnig Wind: Südost 15 km
Freitag, 6. Juni 2008
Das erste Mal Regen!! Bei leichtem Nieselregen starteten wir auf dem HWY 17. Diesen HWY werden wir noch des öfteren benutzen - nächstes Mal in Espanola etwa 1500 km weiter! Nach gut 2 Stunden trocknete es ab und um halb 1 fuhren wir schon in Ottawa ein. Eine "kleine beschauliche" Stadt! Ruth gefällt es immer besser - sie wäre noch lange weitergefahren - was sind schon 96 km! Doch jetzt geniessen wir morgen unseren ersten Ruhetag! Es sind 30 Grad angesagt und um 1130 beginnt die Übertragung von Schweiz gegen Tschechien (EURO 08) - Hopp Schwiiz!!!!
Distanz: 96 km Total: 501 km Schnitt: 22.0 km Höhenmeter: 289 m Wetter: regnerisch/bedeckt Wind: Nordost 5 km
Sonntag, 8. Juni 2008
Ottawa ist wirklich eine Reise wert! Eine sehenswerte, überschaubare und vorallem saubere Stadt! Im Zentrum mit einem schönen Markt und vielen kleinen Beizen. Zum Glück sind die Engländer an der Euro nicht dabei, denn auch so geht hier die Post ab, vorallem gestern als die Portugiesen spielten! Es wurde tatsächlich 30 Grad warm und deshalb starteten wir heute morgen recht früh. Schon wenige Meter vom Hotel begann der malerische Radweg entlang des Rideau-Rivers, am Sonntagmorgen so richtig ruhig und herrlich zum Radeln. Über den Canadian Shield, eine wellige und eintönige Gegend erreichten wir Brookville, und damit wieder den Lenzi, wie wir den Lorenzstrom liebevoll nennen. Sechseinhalb Stunden bei 30 Grad und den Wind voll auf der Nase - ein harter Tag!!
Distanz: 117 km Total: 618 km Schnitt: 18.0 km Höhenmeter: 533 m Wetter: sonnig/heiss Wind: Südwest 30 km
Montag, 9. Juni 2008
Heute hatten wir nicht nur den Gegenwind, sondern auch die Hitze, die uns zu schaffen machte! 34 Grad im Schatten - aber wer fährt schon im Schatten :-))!! Am Morgen fuhren wir dem 1000 Island Parkway entlang - eine wunderschöne Gegend mit vielen kleinen Inseln und Ferienhäuschen drauf! Aber eben die Hitze war grauenhaft! Falls jemand mit uns mailen möchte - kein Problem: \n bikeaholic@bluewin.ch This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it
Distanz: 132 km Total: 750 km Schnitt: 18.0 Höhenmeter: 822 m Wetter: sonnig/sehr heiss Wind: Südwest 30 km
Dienstag, 10. Juni 2008
Nach der gestrigen Hitzeschlacht starteten wir heute früh schon um 6 Uhr bei milden, ja fast kühlen 25 Grad! Entlang der Apple Route ging es nach Cobourg. Leider waren wir gezwungen die Etappe schon um 14 Uhr abzubrechen, da der Wind orkanartig aufkam. Morgen geht's dann nach Toronto.
ROMAN WIR GRATULIEREN DIR GANZ HERZLICH ZU DEINEM GEBURTSTAG UND WÜNSCHEN DIR VON GANZEM HERZEN ALLES GUTE!!!
Distanz: 119 km Total: 869 km Schnitt: 19.0 km Höhenmeter: 822 m Wetter: sonnig/schwül/bedeckt Wind: Südwest 30-60 km
Mittwoch, 11. Juni 2008
Wir sind in Toronto! Das war eine sportlich, würzige Etappe, würde unser Freund Ernesto aus Wien sagen. Wusste gar nicht, dass Toronto an einem Berg liegt :-))! Tolles Wetter schon beim Start in Cobourg und dann wieder sehr heiss nach dem Mittagessen - 28 Grad und sehr feucht! Die Stadt selber ist sehr gut mit dem Rad zu befahren - die Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll! Jetzt gehen wir shoppen und morgen geniessen wir unseren zweiten Ruhetag mit einem Abstecher an die Niagara-Fälle. Am Freitag den 13. gehts weiter :-))!!
Distanz: 114 km Total: 983 km Schnitt: 18.5 km Höhenmeter: 924 m Wetter: sonnig/schwül Wind: West 30 km
Samstag, 14. Juni 2008
Kurz bevor wir am 13. das Hotel verliessen, ging über der Stadt ein Platzregen runter. Auf regennassen Strassen ging es aus Toronto raus. Bei km 17 feierten wir mit einer Fotosession unsern ersten Tausender!! Nach gut 3 Stunden waren wir wieder auf dem Land. Und bald danach erlebten wir eine Premiere - Rückenwind - fast eineinhalb Stunden - so schön! Nach Orangeville (75 km) gabs dann aber wieder Gegenwind bis Dundalk, wo wir übernachteten.
Distanz: 121 km Total: 1104 km Schnitt: 19.8 km Höhenmeter: 924 m Wetter: sonnig/schwül Wind: West 30 km
Heute morgen fuhren wir bei Regen und Gegenwind Richtung Tobermory los. Doch schon nach gut einer Stunde begann es abzutrocknen. Das Skigebiet von Toronto durchquerend (bis 572 m/m!), blieben uns keine Ups and Downs erspart. Nach 3 Stunden gabs in Owen Sound (75 km) den ersten Kaffee! Wir fuhren ja jetzt Richtung Norden und hatten bis jetzt Südwestwind - dreimal könnt ihr raten von wo jetzt der Wind wehte - genau - aus Nordwest! Nach 183 km - ein Rekord für Ruth - erreichten wir das wunderschön am Lake Huron gelegene Tobermory. Von hier geht's morgen zuerst mit der Fähre 2 Stunden auf die Manitolin-Inseln.
Distanz: 183 km Total: 1287 km Schnitt: 20.7 km Höhenmeter: 832 m Wetter: regnerisch/sonnig Wind: Nordwest 20 km
Sonntag, 15. Juni 2008
Da unsere Fähre erst um 0900 Richtung Manitolin-Inseln lostuckerte, hatten wir genügend Zeit für ein Frühstück im Hafenbeizli. Danach reihten wir uns in der Bike-Lane mit ca. 20 Harleys ein, um das Schiff zu entern (Mani, Du hättest glänzende, feuchte Augen gekriegt)!! Um 11 Uhr erreichten wir, nach einer fantastischen Fahrt durch einen Marine National Park, Manitolin Island, wo es wieder auf dem Rad Richtung Little Current weiter ging. Für uns war natürlich klar, dass wir heute nur noch eine kurze Etappe absolvieren konnten. Umso mehr genossen wir die herrlichen Outlooks auf dieser Insel - einmal mehr Kanada pur!!
Distanz: 65 km Total: 1352 km Schnitt: 20.6 km Höhenmeter: 321 m Wetter: sonnig Wind: Nordwest 25 km
Montag, 16. Juni 2008
Frühmorgens, mit den ersten Sonnenstrahlen, gings durch diese herrliche Insel- und Seenlandschaft Richtung Espanola. Nach den ersten flachen 30 km hatten wir unseren ersten kleinen Pass und danach kamen 20 kräftezehrende Kilometer bis Espanola. Dort genossen wir unser Frühstück. Und dann trafen wir IHN - den HWY 17!! Diese Strasse werden wir noch einige Tage, ja Wochen "geniessen". Als wir in Hawksbury zum 1.Mal auf diesem HWY fuhren, da war es noch eine normale Provincial Road, aber jetzt befanden wir uns auf dem Trans Canada Highway - Trucks und nochmals Trucks! Doch wir waren überrascht, wie diszipliniert hier gefahren wurde. Natürlich hatten wir jetzt den Wind wieder voll von vorne - schliesslich gings jetzt auch wieder Richtung Westen. Alles lief hervorragend, doch dann kam die erste grosse Baustelle - 12.5 km aufgerissener Asphalt, Flagmen, Trucks, enge Stellen, Trucks - der absolute Horror!! Doch nach einer Stunde hatten wir auch das überlebt und von da hingen wir eigentlich nur noch im Wind. In Blind River machten wir dem bösen Spiel ein Ende und fanden ein Super Motel mit noch hervorragenderer Küche mit einem französischen Küchenchef!!!
Distanz: 147 km Total: 1499 km Schnitt: 18.4 km Höhenmeter: 734 m Wetter: sonnig Wind: West 30 km
Dienstag, 17. Juni 2008
A very nasty nasty day! Am Morgen bei 8 Grad und bewölktem Himmel starteten wir Richtung Sault Ste.Marie. Wir fuhren "lang", d.h. vierfach beschichtet, bei eisigem Gegenwind - the chill factor was high!! Nach dem Mittagessen begann es auch noch zu regnen - doch wir zogen es durch! 65 km bei Temperaturen um 10 Grad, 40 km Gegenwind und das im Regen!! Wir fragten uns beide - brauchen wir das wirklich!!! Aber nach einem heissen Bad und einem guten Essen beim Italiener, mit einer Flasche Chianti, sahen wir das Ganze auch wieder lockerer!!! Dank dem wir hier in einem Day's Inn sind, haben wir endlich wieder mal die Möglichkeit ins Internet zu kommen. Jedes Motel bietet Highspeed Wireless Internet an, doch ich habe nun mal mein Laptop nicht dabei, und so sind wir eben auf public internet access angewiesen - deshalb kann es auch mal 2 - 3 Tage dauern mit unseren Berichten.
Distanz: 141 km Total: 1640 km Schnitt: 19.7 km Höhenmeter: 734 m Wetter: Regen Wind: West 40 km
Mittwoch, 18. Juni 2008
Wir sind wieder in der Zivilisation! Nach dem versch... Trip nach Saint Ste.Marie hatte ich eigentlich einen Ruhetag eingeplant, zum Trocknen der Kleider und Velo putzen! Doch Ruth überredete mich zum weiterfahren. Da alles trocken war und das Wetter etwas besser schien, starteten wir um 1100 Richtung Batchawana Bay. Es lohnte sich vollauf! Wir mussten zwar weg vom Highway und radelten 7 km über Naturstrassen auf eine Halbinsel. Dort erwartete uns eine fantastische Lodge, geführt von einer Österreicherin, sie stammt aus Zell a. See, namens "Salzburgerhof". Einsame Spitze!! Zuerst gabs Gösser Bier, danach Wienerschnitzel und einen feinen Wein und zum Abschluss eine Sachertorte!!!
Distanz: 77 km Total: 1717 km Schnitt: 17.4 km Höhenmeter: 473 m Wetter: bedeckt Wind: Nordwest 30 km
Donnerstag, 19. Juni 2008
Als wir morgens um 0600 aus dem Fenster unseres Chalets äugten, regnete es wieder mal. Okay - Kaffee trinken und warten bis die Wirtin wach war, damit wir frühstücken konnten. Um 0800 genossen wir mit der netten, alten Dame ein feines Morgenessen. Um halb 10 starteten wir Richtung Montreal River. Nach etwas mehr als 3 Stunden fanden wir auch hier eine Lodge, jedoch nicht mehr so komfortabel wie tags zuvor. Weiterfahren wäre möglich gewesen, aber dann hätten wir gleich 100 km mehr zulegen müssen. So sassen wir schon um 1400 vor unserer Hütte und verpflegten uns selbst. Es gab hier kein Fernsehen, kein Restaurant und kein Handy-Empfang! Für uns stimmte es - wir hatten so richtig Zeit für uns!!!
Distanz: 61 km Total: 1778 km Schnitt: 18.3 km Höhenmeter: 466 m Wetter: kalt/bedeckt Wind: Nordwest 30 km
Freitag, 20. Juni 2008
Als wir um 0700 unsere Räder sattelten, begann es zu regnen - okay, weiter Kaffee trinken! Eine halbe Stunde später konnten wir fahren. Alle Leute, die wir trafen, sprachen nur von Steigungen, Happy Hills usw. Es wurde für uns eine richtige Schweizer-Etappe. Gleich zum Start gings von 0 auf 388 m/m. Nur locker strampeln, rief ich Ruth Mut zu!! Und es ging wirklich nur rauf und danach meistens sanft runter. Jetzt weiss ich auch warum alle die Strecke von West nach Ost fahren - faule Säcke!! Wir bekamen immer mehr Gefallen, vorallem da jetzt auch die Sonne schien und wir die ganze Zeit Ausschau nach Bären und Elchen hielten! Wir befanden uns hier im Lake Superior Provincial Park - es gab also auch keine Tankstelle oder ein Restaurant! Zum Glück hatten wir etwas Wurst und Wasser bei uns, und vor dem Start habe ich noch diese Masse, die sie hier Brot nennen, getoastet! An einem der wunderschönen Seen genossen wir eine kleines Picknick! Nach 101 km endlich ein Restaurant. Durst löschen und danach über den Hügel noch 8 km ins Ziel nach Wawa!
Distanz: 109 km Total: 1887 km Schnitt: 18.4 km Höhenmeter: 1018 m! Wetter: kalt/sonnig Wind: Nordwest 25 km
Samstag, 21. Juni 2008
Wir waren gut beraten, als wir heute schon kurz nach 0600 losfuhren. In der ganzen Gegend gingen immer wieder heftige Gewitter nieder. Und der Vorteil war natürlich auch, dass wir die Möglichkeit hatten, endlich Viecher zu sehen. Und tatsächlich schon nach wenigen Kilometern standen 2 Elche an der Strass und liessen sich durch uns überhaupt nicht stören - wir machen auch nicht so viel Lärm wie die Trucks!! Ansonsten war es eine gemütliche Etappe - wie immer rauf und runter! Das wird sich bis Thunder Bay nicht ändern. Handy-Empfang haben wir seit 4 Tagen nicht mehr, wahrscheinlich auch bis TB. Ich habe jetzt schon 3 mal mit meinem Tagesbericht angefangen, da immer wieder der Strom hier in White River ausfällt - Gewitter!!
Distanz: 94 km Total: 1981 km Schnitt: 20.0 km Höhenmeter: 464 m Wetter: kalt/regnerisch Wind: Nord-west 15 km
Sonntag, 22. Juni 2008
Auch heute morgen, als wir kurz vor 0700 auf unsere Räder stiegen, war es gerademal 6 Grad kalt und leicht bewölkt. Seit einer Woche fahren wir "lang" und 4-fach beschichtet! Die Traumdeuter von der Wetterfront meldeten, dass dies der kälteste und nasseste Juni seit 1937 sei. Ein älterer Kanadier meinte gestern an der Bar: dafür ist es der wärmste Winter seit damals :-))!! Nach 93 km nahmen wir gleich unterhalb des Ski-Hills und dem VOR von Marathon das Mittagessen ein. Bis hier war der Trip eigentlich noch recht angenehm. Aber dann kam es knüppeldick - die 46 km bis zu unserer Lodge, waren wohl das Härteste, was wir bis jetzt erlebten! Es schiffte in Strömen und die Aufstiege wurden immer länger, doch wir zogen es durch. Das Ganze wäre ja nicht so schlimm, wenn wir mal zwischendurch unterstehen könnten oder wenigstens mal ne Tankstelle käme - nada!!! Alle 60 - 100 km gibts hier wieder etwas Zivilisation! Jetzt sind wir 20 km vor Terrace Bay in einem gemütlichen kleinen Motel und dürfen den Computer in der Stube benutzen!!! P.S. Unterwegs feierten wir natürlich unseren 2. Tausender!!!
Distanz: 149 km Total: 2130 km Schnitt: 17.4 km Höhenmeter: 1019 m Wetter: kalt/sonnig Wind: West 20 km
Montag, 23. Juni 2008
Nach dem Härtetest von gestern, waren wir gespannt wie es weitergeht auf dieser Circle Tour vom Lake Superior. Und wir wurden nicht verschont, das Wetter war trocken, ja am Mittag schien endlich wieder mal die Sonne. Doch die Steigungen waren weiterhin happig. 7 kleinere Pässe mussten wir überqueren, danach wurde es flacher, aber dann musste es ja kommen - eine 12 km lange Baustelle!! Wieder aufgerisssene Strasse, Flagmen, Trucks und gefährliche Engpässe. Doch auch das überlebten wir gottseidank! Auch waren wir wieder etwas näher am See, denn zwischendurch wurden wir gewaltig in die Wildnis geschickt. Das hatte auch seine Vorteile - wir trafen ein Elchweibchen mit ihren Jungen und plötzlich kreuzte sogar ein Wolf unseren Weg! Als er uns entdeckte, verschwand er blitzartig. Bären werden wir wahrscheinlich, wenn überhaupt, in British Columbia sehen. Das Tagesziel war heute Nipigon - ein verschlafener, kleiner Ort mit Papiermühlen.
Distanz: 128 km Total: 2258 km Schnitt: 17.1 km Höhenmeter: 1024 m! Wetter: kalt/sonnig Wind: West 25 km
Dienstag, 24. Juni 2008
Vor dem Start nach Thunder Bay dachten wir - gibt es wieder so viele Steigungen? Wir konnten aufatmen. Schon nach gut 10 km sahen wir am Horizont, dass es nicht allzu heftig werden konnte. Rolling hills sagen sie dem hier! Das Wetter spielte auch mit, obwohl sie von Anfang an Regen versprochen hatten, war es trocken. Ich dachte schon, dass wir die 110 km bis nach dem Mittagessen geschafft hätten. Aber es lieb eben zu gut. Da kam SIE - eine 21.8 km lange Baustelle!! Wenn ich vom Ueberleben rede, dann ist das auch so gemeint! Da kommen Trucks mit oversized Load von hinten, die wissen nicht, dass sie eigentlich auch Bremsen haben!! Um Zentimeter rattern die an dir vorbei und musst auf dieser Rüttelpiste deine Linie halten - ein Wahnsinn!! Als wir auch das schafften, begann es so richtig zu schütten - zum Glück war grad ein kleines Lokal in der Nähe und wir nahmen dort unser Mittagessen ein. In Thunder Bay hatten wir wieder mal Zeit zum Shoppen, d.h. wir brauchten Ladegeräte für Ruth's Handy und für unsern Fotoapparat. Fehlanzeige! Nokia ist hier nicht so verbreitet und auch für unsere Sony-Kamer gabs kein Kabel. Also kauften wir eine neue Kamera und das Material dazu. Auch haben wir hier nach gut einer Woche wieder Handy-Empfang! Das wird sich morgen wahrscheinlich schon wieder ändern - dann halt erst wieder in Kenora!! Ich hoffe wenigstens auf einen Compi irgendwo in der Pampa :-))!!
Distanz: 110 km Total: 2368 km Schnitt: 19.4 km Höhenmeter: 554 m Wetter: kalt/regnerisch Wind: Süd 25 km
Mittwoch, 25. Juni 2008
Ein Tag zum Vergessen! Eigentlich fing es gut an - wunderschönes Morgenrot und angenehme Temperaturen (10 Grad), aber eben - Morgerot git es nasses Znünibrot!!! Wir verliessen TB und auch die grossen Seen Richtung Westen. Nach 25 km immer leicht steigend, sahen wir schon bedenklich schwarze Wolken vor uns. Aber wir sagten uns - weiterfahren! Das Donnerwetter kam aber gewaltig - und weit und breit nichts! Nach 58 km, bei Shabaqua Corner endlich ein Restaurant mit Motel. Das Wasser lief uns oben beim Helm rein und unten bei den Schuhen raus - es schüttete aus allen Kübeln. Wir buchten das Zimmer und wollten eigentlich was essen. Im Restaurant hatte es alles, aber man musste es in der Microwelle selber aufwärmen. Das Motel war eine Absteige, wie man sie nur in amerikanischen Filmen sieht - schmudelig und abgefuckt! Nach gut 3 Stunden kam die Sonne wieder und Ruth begann unsere Kleider zu waschen und draussen zu trocknen. Ich hatte endlich Zeit unsere Räder zu putzen, alles zu kontrollieren und zu schmieren!
Distanz: 58 km Total: 2426 km Schnitt: 17.6 km Höhenmeter: 501 m Wetter: Donnerwetter Wind: West 40 km
Donnerstag, 26. Juni 2008
Wir hatten wieder trockene Kleider und konnten unsere Absteige verlassen! Es wurde ein Traumtag - am Anfang dichter Nebel, aber da wir wieder "auf den Schild gehoben wurden" - wir stiegen Richtung Canadian Shield auf 504 m/m. Da erreichten wir die Wasserscheide des Arktischen Meeres, d.h. alles Wasser fliesst von hier in dieses Meer. Da oben herrschte Sonne pur, die Temperatur war schon bei 16 Grad und vorallem wurde es flach :-)! Nach 54 km konnten wir endlich frühstücken. Die erste Tankstelle seit Shabaqua. Danach ging es bis Upsala (77 km), wo wir eine Suppe und viel Getränk zu uns nahmen, denn nachher kam nichts mehr bis Ignace (186 km)! So ist das Radlerleben hier drüben in der Wildnis. Auf der ganzen Strecke hatten wir 2 scrambled eggs, bacon und toast mit marmelade, Kaffee, danach eine Suppe und 6 Liter Mineral, und 5 Liter reinen Fruchtsaft (Cranberry ist Spitze)! Umsomehr genossen wir hier in Ignace unser Abendessen!
Distanz: 186 km Total: 2612 km Schnitt: 19.7 km Höhenmeter: 736 m Wetter: Sonnig Wind: West 30 km
Freitag, 27. Juni 2008
Kurz vor 7 Uhr verliessen wir unser Hotel und bretterten Richtung Dryden. Wir wussten, es wird regnen. Und schon nach 15 km begann es zu tröpfeln, doch es blieb bei einem "schönen" Landregen, der uns bis Dryden begleitete. Der Parcours wird jetzt immer flacher, wir nähern uns Manitoba. Nach genau 5 Std. erreichten wir unser Tagesziel. Übrigens überquerten wir gestern morgen eine neue Time-Zone - wir sind euch jetzt 7 Stunden hintennach.
Distanz: 110 km Total: 2722 km Schnitt: 22.0 km Höhenmeter: 350 m Wetter: regnerisch Wind: West 30 km
Samstag, 28. Juni 2008
Heute sind wir gezwungen im Hotel zu bleiben! Zwischen Thunder Bay und Winnipeg sind gewaltige Regenfälle und Thunderstorms, die ein Radeln unmöglich machen. Seit heute Nacht schifft es in einer Intensität, wie ich es in der Schweiz noch nie erlebt habe! So bleibt uns Zeit eventuell mal unsere Fotogallery zu füttern, falls wir ein Programm finden :-)! Das Positive - morgen soll wieder ein strahlender Tag folgen - kaum zu glauben!! Wir haben jetzt unsere Fotogallery füttern können.
Sonntag, 29. Juni 2008
Kaum zu glauben, aber es wurde ein wunderschöner Tag! Nach diesem Regentag (zwischendurch mal 77 mm in 2 Std.), Sonnenschein pur! Es brachte uns auch eine, wahrscheinlich die letzte vor den Rockies, Bergetappe. Wir stiegen immer wieder auf den Shield. Doch die Gegend ist traumhaft - ein Paradies für Hobby-Fischer! Überall Resorts mit Wasserflugzeugen und da wir hier das ganz grosse Wochenende haben (am 1.Juli ist Canada-Day=1.August in der Schweiz), ist alles ausgebucht. In Quebec und Ontario gibt es ca. 1 Mio. Seen, und wir haben tausende passiert!! Obwohl es Sonntag ist - für die Trucker gilt das nicht. Die brettern das ganze Jahr durch das Land. Morgen verlassen wir Ontario nach fast einem Monat - es geht nach Manitoba!
Distanz: 138 km Total: 2860 km Schnitt: 20.5 km Höhenmeter: 982 m Wetter: schön Wind: West 35 km
JUNIRÜCKBLICK AUS DER SICHT VON RUTH
Also, der 1. Juni war für mich ein bedeutender Tag! Musste ich doch nicht nur einige Stunden Flug hinter mich bringen, sondern es erwartete mich auch ein Abenteuer, von dem ich noch nicht wusste, wie es werden würde.
In Quebec angekommen, erkundeten wir nach dem Zusammensetzen der Räder noch etwas die Stadt, d.h. wir begossen den Beginn unserer Reise mit einem feinen Glas Wein im Château Frontenac. Am anderen Morgen ging es früh auf die Strasse. Rauf und runter, das macht munter - mich schliss es!! Aber am Abend fanden wir eine mega gemütliche, uralte Auberge, geführt von einem männlichen Paar. Da könnten sich manche ein Beispiel daran nehmen. Super sauber und das Nachtessen, das Serge für uns und noch zwei weitere Gäste kochte - perfekt! Wir bekamen dann noch einen Crash Kurs in Franglais - denn hier zählt man die "Kilomeiter" und öffnete das "Föneiter"! So ging es weiter, früh am Morgen zuerst Kaffee, dann ab auf die Strasse. Die Details davon habt ihr ja jeweils dem Bericht von Theo entnehmen können. So kamen wir dann irgendwann in Montreal an. Natürlich liess es sich mein Schatz nicht nehmen und machte mir mir einen Walk, um die Stadt genau anzusehen. Mann - taten mir die Beine weh. Ich dachte am anderen Morgen, ich werde ganz bestimmt nicht mehr aufs Rad sitzen können, aber siehe da - gottseidank durfte ich aufs Rad. Es ging alles gleich viel besser und vorallem schneller als Laufen! So trafen wir dann am 6. Juni bereits in Ottawa ein. Ottawa ist eine wunderschöne Stadt, natürlich erkundeten wir die auch wieder zu Fuss. Allerdings war es diesmal eine Wohltat, da wieder mal andere Muskeln beansprucht wurden.
Weiter ging es Richtung Westen. In einem Motel fanden wir eine ganz liebenswerte Familie - Inder - die uns umsorgten, als wären wir die nächsten Verwandten, die auf Besuch kämen. Das mit der Schildkröte habe ich ein paar Leuten schon geschrieben, es sei nur soviel gesagt, dass ich das Vieh von der Strasse retten wollte - sie wog etwa 10 Kilo - und mich das Miststück beissen wollte und als sie meinen Finger nicht erwischte, wollte sie mir noch den Pneu durchbeissen. Da habe ich sie halt sein lassen - wenn sie denn unbedingt zu einer Roadpizza mutieren wollte....!!! Was ich noch anmerken möchte - es ist frappant, die Vegatationsunterschiede. In Quebec fingen die Tulpen gerade an zu blühen, während in Toronto schon die Margheriten in ihrem herrlichen Weiss strahlten. Überhaupt - Toronto ist eine sehr imposante Stadt. Der Turm muss unbedingt besucht werden, einige der Fotos, die wir in der Fotogallery haben, sind von diesem Turm aus gemacht. Der Glasboden auf dem Turm lässt einem 365m weit nach unten blicken, man kann auch draufstehen, es ist bruchsicheres Glas. Winzig klein sind da die Leute unten und es wird einem fast schwindlig.
Nach Toronto ging es dann weiter Richtung Norden, Nordwest. In Tobermory angekommen beeindruckte uns die grosse Fähre, die Chee Chimann. Zwei Stunden dauerte die Überfahrt und keinem von uns beiden war es bewusst, was uns die nächsten Tage erwartete. Ich möchte mich auch nicht allzusehr darüber auslassen, schliesslich überwiegen die schönen Momente und dass das Sch....wetter uns so verkohlte, ist auch kein Thema. Dass wir in einem Resort mehr als einen halben Tag verbrachten, ohne Natel, ohne etwas zu lesen, ohne Fernseher - das hat uns auch nicht geschadet. Und wenigstens konnten wir selber kochen. Ein zahmes Streifenhörnchen hat uns ganz fest an Sereina Sonderegger ihr Haustierchen erinnert :-)! Ich habe eigentlich vor der Reise nicht gewusst und auch nicht geahnt, dass ich mit dem Rad so viele Höhenmeter zu absolvieren habe. Aber in der Zwischenzeit sind Hügel kein Thema mehr und schliesslich sieht man da am meisten - die Fotos von den Lady-Slippern zeigen es. Überhaupt - die Pflanzenvielfalt hier in Kanada ist unbeschreiblich und was mich total fasziniert, sie die abertausend Frauenschühlein, die der Strasse entlang blühen und zwar in gelb, gelb-braun, weiss mit lila und lila! Ein wahrer Traum.
Dass wir in der Wildnis von Kanada bei den Bären und den Moose auch noch einen Salzburger Hof finden würden, hätten wir nie im Leben gedacht. Hier ein riesiges Kompliment an Anna Elsigan. Die Frau ist im Jahr 1952 von Zell am See nach Kanada ausgewandert, hatte dann mit ihrem Mann eine Wasserflugzeugfirma und danach ein Resort mit einem Restaurant, das sie mit Hilfe ihrer Familie immer noch führt. Anna wird im September 76 Jahre alt, sieht aber immer noch aus wie knapp 60. Liebe Frau Elsigan, falls Sie das hier mal zu lesen bekommen, senden wir Ihnen auf diesem Wege ganz, ganz herzliche Grüsse, auch an Silvia und Ben!
Eine weitere Lodge, die es zu erwähnen gilt, ist die der Familie Fisher. Wir durften mangels anderer Gelegenheit bei ihnen essen und auch das Internet benutzen. Überhaupt sind die Leute sehr freundlich und hilfsbereit. Und wenn dann noch zwei bescheuerte Typenb kommen, die Kanada nicht wie alle andern von West nach Ost durchqueren, sondern eben umgekehrt und den ewigen Gegenwind in Kauf nehmen, ist das schon eine Besonderheit.
Kurz erwähnen möchte ich noch das Denkmal von Terry Fox auf dem Hügel vor Thunder Bay. Terry Fox war 23 Jahre alt, als er an Krebs erkrankte. Wegen dieser Krankheit machte er es sich zum Ziel, entweder diese zu überwinden oder dann zu sterben und er lief jeden Tag einen Marathon. Start war in Victoria (Vancouver). Leider liess ihn der Krebs nicht in Ruhe und Terry Fox starb in Thunder Bay. In Andenken an ihn haben wir von seiner Statue ein Foto gemacht, die auch in unserer Fotogallery ist.
Nun nur noch einen letzten Abschnitt: Habt ihr schon mal in einer Backstube geschlafen? Wir bis gestern auch nicht! Wir fuhren vom wunderschönen Kenora nach Whitemouth - ein kleines Dörfchen, weit ab vom Schuss (natürlich auch wieder ohne HandyEmpfang und ohne Fernseher). Im Dorf angekommen, ging Theo im Hotel, in das wir eigentlich wollten, etwas zum Trinken holen. In der Zeit wurde ich einmal mehr von einem Bewohner in ein Gespräch verwickelt. Und habt ihr das gewusst? Koni Bachmann aus der Schweiz hat hier eine Farm!! Was? Ihr wisst nicht, wer Koni Bachmann ist :-)? Ich auch nicht! Der nette Herr gab uns dann den Typ, dass wir besser das Bed&Breakfast auf dem Hügel nehmen sollten. So fuhren wir die paar hundert Meter dorthin und siehe da, es war eine Bäckerei, die auch noch Logis anboten. Und wisst ihr was? Lena, die Angestellte, ist aus Hannover (Domenico, auch mich holt die Allmedia wieder ein!) und: Lenas Mann arbeitet bei Koni Bachmann! Alle kennen Koni - nur wir leider nicht und Koni war grad eine Woche nicht hier! Aber das mit dem Übernachten muss ich Euch noch erzählen: Lena machte um sechs Uhr abends Feierabend, liess uns aber die Hunde der Besitzerin da (die kam um 1900 Uhr). So hüteten wir die Bäckerei, bis eben die Hausmutter eintraf. Nachdem sie uns eine feine Suppe und ein warmes Eingeklemmtes (das isst man hier, und wenn Onkel Fasnacht wissen würde, wieviele Eier wir jeden Tag essen (müssen), ihm würden die Haare zu Berge stehen)l, serviert hatte, erlaubte sie uns einen Spaziergang. Allerdings ging sie wieder, sie würde uns die Türe offen lassen und wir müssten nicht schliessen! Naja, wir haben nach unserer Rückkehr dann doch abgeschlossen, denn unser Zimmer lag ebenerdig - eben hinter der Backstube. Aber mega sauber und heimelig. Ich freute mich schon, dass wir, wenn wir nachts mit Hunger aufwachen würden, uns mit Zimtrollen bedienen könnten, aber leider schliefen wir ohne Unterbruch bis zum Morgen durch. Um 5 Uhr begann Lena mit der Arbeit, was uns mit feinem Kaffee- und frischem, feinem Brotduft weckte. Wahnsinn, das Vertrauen, das die Leute hier haben. Der Kühlschrank stand gut gefüllt uns zur Verfügung, wir konnten nehmen, was wir wollten, die Backwaren waren auf dem Gestell aufgereiht - das sind Erlebnisse, die wir nicht so schnell vergessen werden.
Und nun sind wir in Winnipeg angekommen. Da heute Canada-Day ist, sind die meisten Geschäfte geschlossen. Das ist der 1. August bei uns, Irene, wir werden jetzt versuchen, Deine Schwester zu erreichen.
So, das wars von mir. Ich schicke Euch allen ganz liebe Grüsse und freue mich mega über jedes Mail, das wir erhalten. Denen, die sich immer wieder melden, ganz herzlichen Dank. Ruth
Montag, 30. Juni 2008
Als wir Kenora, ein wunderschöner Ort, am Morgen kurz vor 7 Uhr verliessen, dachten wir eigentlich die Berge seien jetzt vorbei. Aber es ging immer noch rauf und runter. Nach 56 km kamen wir an die Grenze zu Manitoba. Im Tourist Office plauderte ich mit der Dame am Desk über mögliche Routen. Den Trans Canada Highway 1 wollte ich meiden - zu viele Trucks, keinen Pannenstreifen und zudem wurden gestern 2 Radfahrer nur 100 km zu Tode gefahren! Also befuhren wir den HWY44 Richtung Rennie - Whitemouth. Wir wussten ja von den Radlern denen wir bis jetzt begegnet sind, dass die Strassen in Manitoba schlecht sind, aber es war noch viel schlimmer. Also unsere Bachbette ind der Schweiz werden besser gepflegt!!! Die Velos von Andi Narr werden hier so richtig getestet - und ich kann Euch sagen - einsame Spitze! Wir hatten noch nichts (Holz aalänge)! Das Einzige was ich bis jetzt gemacht habe, ich habe die Räder geputzt, geölt und geschaut ob alles hält! Irgendwann werde ich neue Ketten montieren, aber auch die sind immer noch Klasse! Nach 62 km Rüttelpiste erreichten wir bei brütender Hitze Whitemouth.
Distanz: 129 km Total: 2989 km Schnitt: 17.5 km Höhenmeter: 526 m Wetter: schön Wind: West 35 km
Dienstag, 1. Juli 2008
Unsere erste Flachetappe, und wenn ich sage flach, dann meine ich arschflach!!! Schade haben wir so Gegenwind, ansonsten hätte Cancellara viel Freude an uns! Zum Glück ist diese Provinz nicht so gross. So werden wir wahrscheinlich in 4-5 Tagen Manitoba verlassen und hoffen, dass die Strassen in Saskatchewan besser sind. Es ist unglaublich: Alle 2 Sekunden fährt man über einen Absatz, wie bei uns vom Trottoir und muss auf die Löcher und Bumps höllisch aufpassen. Wären diese Probleme nicht, wir würden wahrscheinlich jeden Tag 200 km fahren. Da die Strassen wie in Amerika schachbrettartig angeordnet sind, fuhren wir heute zuerst 50 km westlich, dann 19 km südlich und dann wieder 50 km westlich bis Winnipeg. Da heute CanadaDay ist, eigentlich ganz gut, denn alles ist zu - auch die Kanadier :-))!! P.S. Heute feierten auch wir: den 3-Tausender!
Distanz: 115 km Total: 3104 km Schnitt: 20.5 km Höhenmeter: 91 m! Wetter: bewölkt/schön Wind: West 35 km
Mittwoch, 2. Juli 2008
Gestern haben wir natürlich mit den Kanadiern ebenfalls gefeiert. Im renomierten Hotel Fort Garry sassen wir im 30. Stockwerk im Skyview Restaurant und genossen eine fantastischen Abend bei feinem Essen und Wein und dann um 2300 Uhr das fulminante Feuerwerk der Stadt Winnipeg - irre!!! Wir kamen dadurch auch etwas spät ins Bett und dachten die heutige Etappe ist eh nur 95 km, also ausschlafen! Nachdem wir nach 25 km die Stadt verliessen, drehten wir Richtung NW auf HWY26, damit wir den NR.1 nicht benutzen mussten! Für die nächsten 70 km waren wir auf einer sog. Backroad, praktisch kein Verkehr, aber der Wind... er kam aus Nordwest mit 40 - 50 km !! Wir brauchten 5 Stunden für diese Strecke, hatten nur einen Bidon und es gab wieder mal keine Tankstelle oder einen kleinen Laden. So kamen wir recht ausgetrocknet in Portage-la-Prairie an und fuhren gleich mal an eine Tränke - so ein Bier ist schon herrlich!! Morgen gehts über den Yellowhead HWY16 Richtung Minnemosa.
Distanz: 109 km Total: 3213 km Schnitt: 16.0 km! Höhenmeter: 474 m Wetter: schön Wind: Nordwest 40 - 50 km
Donnerstag, 3. Juli 2008
So wir sind wieder in der Zivilisation! Heute habe ich mal was ganz Neues erlebt - wir fuhren 127 km immer nur bergauf! Das heisst wir "stiegen" pro km 1m und danach 3-4 m pro km! Ich dachte immer jetzt wirds dann wirklich flach, aber denkste! Kanada ist eine schiefe Ebene :-)! Wirklich wir sind keinenMeter runtergefahren. Natürlich merkten wir das erst nach diesen 80 km - wir dachten alles flach, und dass es doch anstieg merkte ich nur an meinem GPS. Wir strampelten wie immer gegen den Wind, aber merkten gar nicht, dass wir noch im climb waren!
Distanz: 127 km Total: 3340 km Schnitt: 17.8 km Höhenmeter: 278 m Wetter: schön Wind: West 30 km
Freitag, 4. Juli 2008
Heute hatten wir unseren härtesten Tag! Die Strassen von Manitoba sind schlimmer als man denkt. Wir fuhren HWY24, sehr rauhe Unterlage, viele Löcher und natürlich Gegenwind! 82 km geradeaus, man hat das Gefühl es ist flach und doch gehts ganz langsam bergauf - aber der Belag ist grauenhaft. Wir haben mit Einheimischen gesprochen - sogar die nerven sich darüber, aber die hocken in ihren Pickups!! Kurz nach Miniota (103 km), nahmen wir eine Gravelroad (für nicht englischsprechende - ein Bachbett), schliesslich war es 55 km kürzer! 2 Stunden Mountainbiketrail - aber wir kamen vorwärts! Es lief gar nicht so schlecht - wir hofften einfach, dass wir keine Panne haben, denn weit und breit nichts! Danach ging es wieder Richtung TCH1. Nach 15 km - endlich, da war es - links das InfoCenter von Manitoba! Doch die schliessen um 1900 Uhr, also rechts Richtung Saskatchewan und nach 5 km das InfoCenter - und die haben noch offen! Und nun das Positive, die haben keine Sommerzeit in dieser Provinz - wir haben eine Stunde gewonnen. Jetzt haben wir also schon Mountain Time, wie in Alberta (d.h. wir sind schon 8 Stunden hinter Eurer Zeit). Und die Strassen - zum Küssen - ein Teppich!!! Nach 10 Stunden im Sattel, genossen wir einmal mehr ein fantastisches Essen im Red Barn, das IN-Lokal hier. Am Freitag trifft sich hier wahrscheinlich alles, vorallem die Jugend, um abzuschalten, und das Wochenende einzuläuten. Wir schliefen auf jeden Fall sehr tief nach diesem anstrengenden Tag.
Distanz: 177 km Total: 3517 km Schnitt: 16.8 km Höhenmeter: 471 m Wetter: schön Wind: West 30 km
Samstag, 5. Juli 2008
Jetzt hatten wir ja endlich diese traumhaft, schönen Strassen und erst noch alles flach - was will das Radlerherzen mehr. Wir starten locker und denken nichts Böses! Aber um 8 Uhr starten sie hier die Windmaschine - und wie! Wir hängen im Wind und die Leute in den Autos denken - was machen die da? Nach 83 km machen wir dem bösen Spiel ein Ende. Bei Böen bis zu 70 km ist Radeln nicht mehr Fun! In Broadview gibts ein Motel und ein Hotel. Das Motel ist schon um 3 Uhr ausgebucht. Mir schwante Schlimmes, da ich weiss, ein Hotel in einem Dorf in Kanada oder Amerika ist immer gleich - alt, abgewrackt, denn niemand mehr geht hier in ein Hotel, wenn die Motels an der Strasse liegen. Doch uns bleibt keine andere Wahl. Wir beziehen die "Hochzeitssuite" - einfach grässlich! Immerhin es hat eine Dusche. Und habe ich Euch gesagt, dass der Bahnhof vis-à-vis liegt? Sorry, hab ich vergessen. Das Hotel hat übrigens die einzige Disco im Umkreis von 100 km und es ist Samstag!!! Okay - an die Basstöne kann man sich gewöhnen, aber als kurz nach Mitternacht die Güterzüge kamen und während gut eineinhalb Stunden rangierten, da wars dann entgültig mit der Ruhe vorbei. Das Rollmaterial ist natürlich von Stadler :-))! Kurz nach 5 Uhr starteten wir unsere Etappe - auf dem Rad wars bedeutend ruhiger und gemütlicher!!!
Distanz: 83 km Total: 3600 km Schnitt: 14.3 km! Höhenmeter: 399 m Wetter: schön Wind: West 50 km Böen 70 km
Sonntag, 6. Juli 2008
Heute war d e r Radlertag! Trotz dieser Horrornacht - wir waren fit! Das Wetter war genial - so früh am Morgen alles frisch, relativ kühl bei 12 Grad und kein Verkehr! Nur viele Tierchen, die unsere Wege kreuzten - Streifenhörnchen, Rentiere, Füchse und natürlich Vögel, die uns begrüssten. Der Wind war kein Thema mehr - wir hatten Seitenwind mit 20 km, also fast windstill, und so genossen wir einen wunderschönen SundayRide! Dass wir immer noch bergauf fuhren, merkte ich erst nach einer Stunde - wir waren plötzlich über 600 m. Meine Theorie stimmte also - Kanada ist eine schiefe Ebene, die in den Rockies beginnt und am Atlantik endet - deshalb das viele Wasser dort :_))! Nach 94 km in Indian Head dachten wir eigentlich an ein schönes Motel, und zwar aus logistischen Gründen. Bis Regina waren es doch noch 67 km und dazwischen keinen Ort mehr, mit mehr als 600 Einwohnern, also auch kein rechtes Übernachtungsziel. Beim Mittagessen entschlossen wir uns mal weiterzufahren und abzuwarten. Dabei durfte ich meinen ersten Anruf aus Übersee entgegennehmen - Danke Angelika und Mani (unsere Freunde aus dem nahen Ausland). Okay, wir fuhren und plötzlich sahen wir vor uns die Skyline von Regina. Heute hatten wir wenigstens ein "normales"" Hotel!!!
Distanz: 156 km Total: 3756 km Schnitt: 20.1 km Höhenmeter: 203 m Wetter: schön Wind: Nordwest 20 km
Montag, 7. Juli 2008
Ein weiterer Tag zum Vergessen! Gegenwind von 40 km/h mit Böen bis 50 km/h machten auch heute das Radeln sehr schwer. Einmal mehr mussten wir nach 5 1/2 Stunden und 73 km das Ganze abbrechen. Jetzt hoffen wir, dass es morgen etwas weniger Wind hat und zudem werden wir noch früher aus den Federn steigen. Wir sind nun hier in Moose Jaw und geniessen den wohlverdienten Feierabend.
Distanz: 73 km Total: 3829 km Schnitt: 13.2 km Höhenmeter: 299 m Wetter: bedeckt/regnerisch Wind: Nordwest 40 km Böen 50 km
Dienstag, 8. Juli 2008
Wow war das ein Tag! Kurz nach 6 Uhr bestiegen wir unsere Räder und 14.5 Stunden später sattelten wir sie ab! Der Wind hatte nachgelassen, "nur noch 30 km West und wir dachten so früh am morgen wird es sicher noch gehen. Aber die drehen den schon früher an und so spulten wir mal bis Chaplin (84 km) in der Annahme, dass es eventuell dort eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Es hatte ein Hotel, aber wie ich es schon am Samstag erwähnte, solche Hotels in kleinen Dörfchen kann man vergessen. Auch dieses stand zum Verkauf, doch das Mittagessen war super! Also beschlossen wir weiterzufahren - nochmals 95 km!! Und jetzt wurde es auch noch hügelig - die "Berge" von Saskatchewan begannen. Es sind eigentlich langgezogene Hügel mit 5-9 km langen Steigungen und man überwindet nur 200 Höhenmeter, aber der Wind zieht so schön drüber, dass wir nicht nur bergauf fahren mussten, sondern den Ventilator mitgeliefert bekamen. Uns passierten 3 West-Eastler, jene Radler die Vancouver-Halifax machen. Doch diese WE (Weicheier?) brausten mit gut 50-60 km/h an uns vorbei - die konnten uns gar nicht sehen!!! Und wir versuchten unsern 15er Schnitt zu halten! Immer wenn es mal runter ging, probierte ich einen neuen Rekord aufzustellen. Der steht jetzt bei 25.6 km/h! Es war zum Heulen. Zwischendurch gab es wieder mal einen Wolkenbruch und dadurch wurde es auch etwas windiger :-)! Ich ziehe jeden Abend den Hut vor meinem Schatz! Die Frau hat eine Willenskraft - kaum zu glauben! Aber da wir beide im Sternzeichen des Stiers geboren sind, ist für uns Durchhalten eine klare Sache, und heute hiess es eben: "Gring abe u trampe! Als wir nach 11h 43min reiner Fahrzeit vom Rad stiegen, waren wir aber doch froh und freuten uns auf den White Zinfandel, den wir uns beide versprochen hatten! Und zudem konnten wir eingangs Swift Current, unserem Tagesziel, den 4. Tausender feiern!!!
Distanz: 179 km Total: 4008 km Schnitt: 15.0 km Höhenmeter: 697 m Wetter: schön/regnerisch Wind: West 30 km
Mittwoch, 9. Juli 2008
Nach dieser Parforceleistung wollten wir mal ausschlafen! Deshalb genossen wir kurz vor halb7 unsern Kaffee im Bett und studierten die Wetterlage. Es schien ein schöner Tag zu werden. Tatsächlich fuhren wir bei fast windstillen 20 km Gegenwind Richtung Gull Lake. Wir verliessen Swift Current kurz nach halb 10 Uhr, wir mussten noch einige Sachen einkaufen und wollten endlich mal einen Velohändler aufsuchen, doch der öffnete erst um 10. Als wir nach 56 km in Gull Lake, eigentlich unser Tagesziel, eintrafen war es erst 13 Uhr - Zeit fürs Mittagessen. Wir entschlossen uns bis Maple Creek weiterzufahren, also noch 78 km. Die Rolling Hills waren kein Problem, doch 15 km vor der Kreuzung HWY1/21 drehten sie den Windkanal wieder auf - und zwar wie! Es wurde auch gefährlich dunkel und gewaltige CB's (grosse Gewitterwolken) bauten sich rund um uns auf. Zum Glück gabs an der Kreuzung ein Motel und ein Restaurant, wo wir unsere Etappe glücklich beenden konnten. Hinter uns war die Sintflut - Gull Lake und Maple Creek wurden von einem riesigen Unwetter heimgesucht.
Distanz: 134 km Total: 4142 km Schnitt: 19.0 km Höhenmeter: 513 m Wetter: schön/schwül Wind: West 15-40 km
Donnerstag, 10. Juli 2008
Ein wunderschöner Morgen mit herrlichem Sonnenaufgang begrüsste uns kurz von 6 Uhr, als wir aus dem Motel traten. Heute sollten wir den Doktorhut kriegen - unser Ziel war Medicine Hat! Als wir nach einer Stunde einen kurzen Halt machten und etwas Vitame zu uns nahmen (wir hatten keinen Kaffee und kein Frühstück, deshalb verdrückten wir beide ne Banane), meinte ich zu Ruth: Heute wirds richtig locker - fast kein Wind und die Topografie stimmte auch. Doch keinen Kilometer weiter, stellten sie uns den höchsten Hügel von Saskatchewan vor die Nase und wie auf Druckknopf die Windmaschine. Wir stiegen bis auf 842 m/m. Er herrlicher Rundblick und viele Rehe, die da oben weideten und uns ganz verwundert bestaunten - fehlte nur noch das Alphorn!! Danach gings zwar runter, aber wir kamen uns vor wie Trucks: use lower gear! Wir mussten beim Runterfahren kleinere Gänge treten damit wir wenigstens etwas vorwärts kamen. Unten wars dann wieder ruhig und wir überquerten die Grenze zu Alberta. Ein enormer Szenenwechsel! Die Gegend wurde wieder abwechslungsreicher, die Farmen viel gepflegter und auch das Frühstück im ersten Dorf war Extraklasse!! Albertaist die reichste Provinz Kanadas und das merkt man sofort. Gestern erzählte uns ein Trucker, dass viele Leute aus dem Osten (Quebec) mit ihrem Hab und Gut ins gelobte Land (Alberta) ziehen, in der Hoffnung hier das grosse Geld zu machen. Nach 3 Monaten sieht er sie dann wieder mit hängenden Köpfen Richtung Quebec oder Ontario zurückfahren. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich mit meiner Familie einfach alles einpacken und losfahren würde, ohne zu wissen, dass ich hier einen Job hätte. Aber eben - das ist Nordamerika. Er hatte Riesenspass uns zu sehen, denn er fährt immer wieder zwischen Winnipeg und Calgary hin und her und hat uns schon des öftern gesehen! Kurz nach 12 Uhr waren wir schon in Medecine Hat und fanden auch endlich einen BikeShop! Wir hatten noch keine Panne, aber ich brauchte neue Handschuhe und Bidons!
Distanz: 110 km Total: 4252 km Schnitt: 19.5 km Höhenmeter: 602 m Wetter: schön Wind: Nordwest 20 km
Freitag, 11. Juli 2008
Heute muss ich den Wetterfröschen (Hallo Wien) ein Kränzchen winden. Nach dem Unwetter am Abend, sagten sie Regen für die ganze Nacht bis morgens um 8 Uhr voraus, danach Sonnenschein, Wind 25 km von West und am Nachmittag 15 km von West. Beinahe perfekt, ausser am Nachmittag, da wars 50 km von West! Konsequenz für uns, wir strampelten mit 11 km/h gegen Brooks. Und nun komme ich auf Deine Frage, Mani (unser Freund aus der Schweiz): Warum radelt ihr eigentlich nicht von West nach Ost, das ist die gleiche Gegend und ihr hättet immer Rückenwind? Erstens wollen wir nach San Diego, 2. Fahren alle West-Ost! Und stell Dir mal vor wir starten in Brooks um 6 Uhr und stehen um 8 Uhr in Medecine Hat im Hotel!! Da denken die doch wir wollen auschecken, dabei wollen wir einchecken! Wir haben einen WE in Suffield (40 km) getroffen, und er hat uns erzählt, dass er etwa mit 50 km/h Richtung Medecine Hat gebrettert ist, und er startete 3 Stunden vorher in Bassano, also 120 km hat er schon hinter sich!!! Und da kommen wir mit unseren 40 km!! Falls Du den Kalorienverbrauch auch noch berechnen möchtest, dann wird es schwierig. Wir fahren zwar nur mit 11 km/h, doch das entspricht eigentlich einer Bergetappe von 6-7% Steigung während 9 1/2 Stunden. Wir hatten ein wirklich spätes Arrival im Hotel!!
Distanz: 108 km Total: 4360 km Schnitt: 11.3 km Höhenmeter: 662 m Wetter: schön/Gewitter Wind: Nordwest 40 - 60 km
Samstag, 12. Juli 2008
Wir konnten es fast nicht glauben, aber die Wetterfrösche trafen auch heute wieder voll ins Schwarze - Sonnenschein pur und vorallem der Wind: am Morgen 20 km West und am Nachmittag 15 km West! Deshalb entschieden wir uns auf ein entspanntes, lockeres Pedalieren. Und es wurde ein Traumtag. In Bassano (50 km) kehrten wir zum Brunch ein (leider gabs keinen Grappa, da müssten wir wahrscheinlich ins Trentino fahren), danach gings locker weiter Richtung Cluny und Gleichen. Man hat uns gesagt, dass bei Cluny ein Bergpreis auf uns wartet. Und tatsächlich, da gab es eine Steigung - wir waren uns aber schon ganz andere Schupfen gewohnt. Trotzdem knackten wir heute die 900er Grenze. Oben auf 962 m gabs sogar eine Tankstelle mit Restaurant, wo wir Kaffee und Kuchen (feine Cinnamon-Rolls) genossen. Kaum aus der Raststätte raus, erwartete uns eine Traumaussicht: unten die Prärie und, leider im Dunst, die Rocky Mountains. Ein Gänsehaut-Feeling!! Noch 150 km, dann sind wir diese endlosen, windigen Geraden los!!
Distanz: 136 km Total: 4496 km Schnitt: 18.0 km Höhenmeter: 598 m Wetter: schön Wind: West 15 - 20 km
Fortsetzung Bericht Ruth:
Also, nachdem wir nun Winnipeg erreicht und das Hotelzimmer bezogen hatten, versuchten wir, Irene Dubs' Schwester zu erreichen. Bekanntlich ist der 1.Juli ja der Canada Day, sodass es fast klar war, dass die Familie mit Freunden feiert und nicht zu erreichen war. Wir entschlossen uns deshalb, im Restaurant auf dem Turm einen Platz für das Abendessen zu reservieren, was sich absolut gelohnt hat. Eine Traumaussicht, ein wunderbarer Sonnenuntergang und dann das beleuchtete Winnipeg - alles in Begleitung eines ausgezeichneten Nachtessens - Herz, was willst du mehr. Und nachts um halb elf gab es dann noch ein Riesen-feuerwerk. Sobald wir einmal einen Computer finden, der ein Photoprogramm bereits installiert hat oder bei dem wir das selber können und es nicht gesperrt ist, werden wir Euch die Eindrücke in bildlicher Form ins Internet stellen.
Am anderen Tag ging es weiter nach Kenora. Dort hatten wir auch im Best Western, das als runder Turm gebaut ist, ein Zimmer reserviert und bekamen ein traumhaftes Logis im 10.Stock mit einem wunderbaren Blick über die Bay und dies direkt vom Bett aus. Es war schlichtweg fantastisch.
Weitere Details hat Théo in seinen täglichen Berichten bereits geschrieben. Ich möchte deshalb nur noch kurz auf das Hotel in Broadview eingehen ( mit der sogenannten Hochzeitssuite)! Also, ich habe nicht gewusst, wie es sich in einem Bahnhof schlafen lässt, jetzt wissen wir es. Ging doch die Bahn 20 m neben dem Zimmer vorbei und dies die ganze Nacht. Und wenn man weiss, wie lange die Güterzüge hier in Kanada sind, braucht es keinen weiteren Kommentar. Wir haben uns einfach angewöhnen müssen, nicht jedesmal aus dem Bett zu springen, weil wir meinten, dass der Zug duch unser Zimmer rast! Un dass in der Nacht das Wasser abgestellt wurde und wir somit weder auf die Toilette konnten noch Zähne putzen oder sonst etwas - naja, auch damit haben wir uns abgefunden und sind dafür am Morgen um fünf Uhr durch den uns vom Beizer am Abend noch gezeigten Notausgang - übers Dach und die Feuerleiter runter und das mit den Velos und dem Gepäck - gestartet. Der Tag entschädigte uns dann für die Strapazen der Nacht, sodass wir in bester Laune Regina erreichten. Wir liessen uns dann auch etwas verwöh-nen, mit einem Glas Wein und einem feinen Nachtessen klang dieser so schlecht begonnene Tag aus.
Die täglichen Fahrten durch die endlose Prärie, die Weiten der Felder, die Kuhherden, die wunderschönen Pferde - wenn wir nicht schon Pferdefreunde wären, wären wir es ganz bestimmt jetzt geworden. Sehr oft hat es einen wunderbaren, schwarzen Hengst wir Winnetou in geritten hat, dazu meistens mehrere gescheckte braun oder schwarzweisse von Old Shurehand... traumhaft. Bezüglich Pferde muss ich Euch aber jetzt noch etwas ganz anderes erzählen: wir hatten gestern Freitag ja einen ganz schweren Tag! Rauhe Strassen - sind sehr mühsam zu fahren - mega Gegenwind, Gewitter rundum (ich habe bei Gewitter eh Höllenschiss), und dann kommt der Höhepunkt: ein Tiertransporter überholt uns, ein feiner Sprühregen nieselt auf uns runter - so schön, denken wir im ersten Moment, da vom Wind unsere Gesichter ohnehin erhitzt sind - PFUI TEUFEL, DAS WAR PFERDEPISSE!!! Ich glaube die Autofahrer nachher haben sich über die zwei sich wie verrückt putzenden, aufgelösten Radfahrer gewundert, was die wohl haben....! Aber wir habens überlebt. Jedenfalls haben wir beide dann wenigstens gleich gestunken:-)!
Nun habe ich Euch noch ein paar Informationen über das Land Kanada selber:
Habt Ihr gewusst, dass sich durch das ganze Land eine Schnur zieht? Wir haben diese Schnur immer wieder gesehen, in Ontario war sie rot, irgendwann hat sie auf blau gewechselt und zwischendurch war sie beige! Wir haben dann herausgefunden: das ist die Schnur, womit die Strassenbauer den Rand markieren, bis wohin der Teer gehen soll. Verrückt, wenn man sich vorstellt, dass sich diese Schnur von Osten nach Westen zieht (oder umgekehrt). Dann sehen wir auch immer wieder die Güterzüge. Habt Ihr gewusst, dass vorne zwei Loks am Schluss nochmals eine, 135 Güterwagen, jeder beladen mit zwei Lastwagencontainern, ziehen können? Solche langen Züge sind an der Tagesordnung und wir können immer nur wieder staunen. Übrigens, die Lokfüh-rer sind langsam unsere besten Freunde. Wenn wir fahren und Théo macht die Geste, dass sie "Whistle Blow", den Lokpfiff er-tönen lassen sollen, dann machen die das, öffnen das Fenster und winken - Wahnsinn!! Aber in diesem Zusammenhang - auch die Trucker, die uns irgenwann irgendwo überholt haben und dann auf der Gegenspur Tage später wieder gegen Osten donnern, hupen uns und halten die Daumen hoch. Dann wissen wir, aha, die haben uns schon mal gesehen. Und da der Highway getrennt ist, sind das gut und gerne 30 m dazwischen und trotzdem erkennen die uns. Aber auch die Autofahrer hupen, winken, fahren neben uns her und wollen wissen, woher und wohin. Dass wir das in der "falschen" Richtung machen, ist für die ein Wahnsinn (kein Kommentar!). Und habt Ihr gewusst, dass die Felder der Bauern in der Prärie so gross sind, dass sie ihre Herden und die Felder überhaupt, mit dem Flugzeug abfliegen, da sie mit dem Pickup Tage brauchen würden, um alles abzufahren. Und wisst Ihr, was die Trophäe eines jeden Velofahrers ist? Die Autonummern, die neben der Strasse liegen. Wenn die abfallen, ist das hier egal, das wird einfach liegen gelassen. Was meint Ihr, was für eine Schrottladung ich schon hinten auf dem Velo habe :-))!! Leider fehlt uns nur noch eine Nummer von Quebec, wenn wir mal ein Auto irgendwo stehen sehen, muss Théo mir ganz schnell den Schraubenzieher bringen :_)!
Zum Schluss noch dies: die Blume von Quebec ist die weisse Lilie (Andy Lamm, wenn ich mich irren sollte, bitte ich um Korrektur, vielen Dank). Die haben wir leider nicht blühen sehen, da die Vegetation noch nicht so weit war. Ontario, weiss ich nicht, dafür waren die Krokusse von Manitoba bereits verblüht, während Saskatchewan die rote Lilie als Symbol hat, die wir zu tausenden gesehen haben. Alberta ist das Land der wilden Rose - wunderschön. Was British Columbia hat, werde ich Euch nächstes Mal verraten. Eines sei gesagt, die Blumen- und die Vogelvielfalt dieses Landes ist traumhaft und unvorstellbar, auch nicht zu beschreiben, man muss es schon selber gesehen haben!
Noch ganz kurz: also, uns geht es super gut, wir haben bis jetzt noch nie einen Hänger gehabt, die Beine tun uns überhaupt nicht weh und das Laptop haben wir nicht dabei. Dafür fahren wir unser Gepäck selber hinten am Packträger durch die Gegend. Dies als kurze Antwort auf die vielen Fragen, die wir in den privaten Emails immer wieder haben. Aber fragt nur, wir freuen uns und geben Euch gerne Auskunft :-)!
Sonntag, 13. Juli 2008
Das wir wussten, Calgary ist nur noch 50 km weit weg, liessen wir uns etwas Zeit am Morgen, nahmen im Hotel ein kleines Frühstück zu uns und kurz vor 0700 pedalten wir Richtung Westen. Schon nach wenigen Kilometern sah man die Skyline von Calgary, obwohl noch über 40 km zu fahen warn, dahinter die schneebedeckten Rockies. Um halb 10 erreichten wir das Herz des Neuen Westens, wie sich Calgary auch nennt, und entschlossen uns in einem Restaurant zu frühstücken: Spaghetti bolo .... mmmh so guet!! Den Leuten an den Nebentischen blieben die Pancakes im Halse stecken!! Eigentlich wollten wir noch etwas an der Stampede schnuppern, heute war der letzte Tag und es ging bei den StarCowboys um 1 Mio. Dollar Preisgeld! Doch auch mit dem Fahrrad hatten wir keine Chance in den Bereich des SaddleDome (das Stadion) zu kommen. Und die Eintrittspreise hier sind enorm, deshalb entschlossen wir uns ins Stadtzentrum zu fahren. Ruth wollte auf den CalgaryTower, aber was machen wir mit unsern Packesel?! Da das Marriott Hotel gleich neben dem Tower lag, ging ich rein, zeigte meine Marriott Elite Club Card und schon hatten wir unsere Räder für die nächsten paar Stunden versorgt! In der Fussgängerzone gibt es hier eine richtige Lädeli- und Fressbeizmeile, genau das Richtige für uns! Kurz vor 1400 fuhren wir weiter, aus Calgary raus, am OlympiaPark vorbei Richtung Cochrane, unserem Tagesziel. Dabei hatten wir unseren ersten Rocky-Test! Wir erklommen die Hügel ausserhalb der Olympiastadt und waren schlussendlich auf 1360 m/m! Cochrane selbst liegt gut 200 m tiefer. Morgen gehts nun definitiv in die Rocky Mountains nach Banff!
Distanz: 98 km Total: 4594 km Schnitt: 18.3 km Höhenmeter: 562 m Wetter: schön Wind: West 20 km
Montag, 14. Juli 2008
So sollte es immer seine - ein Wahnsinnstag! Da Banff nur gerade 100 km weit weg liegt, verliessen wir Cochrane erst um halb 8 bei herrlichem Sonnenschein und stahlblauem Himmel. Wir wählten bewusst den HWY1A, d.h. den Alternate, damit wir "truckfrei" fahren konnten. Ein Glücksgriff! Ich hatte das Gefühl im Engadin zu sein, links der BowRiver, immer wieder leichte Steigungen und vor uns die mächtigen Rockies - ein fantastisches Radeln! In Exshaw (60 km) assen wir eine Suppe und als wir kaum weiterfuhren, kam uns ein RadlerPaar entgegen. Ich fragte wie immer: Canadien? Er: No, Switzerland! Wow, o de ersch no vo Bärn!!! Natürlich gabs viel zu erzählen. Sie fahren Vancouver und dann die Rockies und nehmen von Jasper den Zug nach Montreal, um danach noch den Osten zu erkunden. Da konnten wir ihnen nur zustimmen, denn dazwischen verpassen sie nicht viel. Schon um 1330 trafen wir im wunderschönen Banff ein. Jetzt gehts shoppen und relaxen!
Distanz: 100 km Total: 4694 km Schnitt: 19.9km Höhenmeter: 684 m Wetter: schön Wind: West 15-20 km
WIR HABEN DIE FOTOGALLERY GEFÜTTERT!
Dienstag, 15. Juli 2008
Nachdem wir mit Reno Sommerhalder, Schweizer, aber seit 24 Jahren hier in Banff als Bärenforscher tätig, einen schönen Abend mit feinem Nachtessen verbracht haben, entschlossen wir uns, statt eines Ruhetages ein Sightseeingtag nach Lake Louise zu machen. Damit haben wir bereits 65 km von der morgigen Etappe vorgeholt. Es war geniale Idee, denn was wir als leichtes Radeln im Sinne hatten, entpuppte sich als sportlich sehr würzige Tour. Entlang des BowRiver Parkway (HWY1A) dachten wir, alleine die Natur geniessen zu können, was sich leider als gewaltiger Irrtum herrausstellte. Nicht nur wir wollten die Bären sehen, auch all die Japaner, Deutsche und sonstigen Touristen, etliche sogar in Bussen, befuhren die Scenic Route. Wir befürchteten schon, dass wir keine Bären sehen würden, aber siehe da, im steilsten Stück stand einer an der Strasse und grub sich sein Frühstück aus! Wie sollten wir mit Gepäck die steile Strasse bewältigen, fotografieren und erst noch die Strassenseite wechseln? Es gelang, wenn auch die Fotos etwas ungenau sind. Denn den Bären interessierte das Büchsenfutter, sprich die Autofahrer nicht, er hatte uns im Visier und wir konnten nicht zurück, deshalb der Wechsel auf die andere Strassenseite. Und da wir gestern noch einen Crashkurs im Verhalten mit Bären von Reno erhielten, haben wir ganz artig "Hi Bear" gesagt, damit er wusste, wir waren da. Das hat ihn zwar erst recht auf uns aufmerksam gemacht, aber er war brav und hat nur kurz überlegt, dann gefunden, dass Iron Bikes mit Menschen wahrscheinlich ungeniessbar sind. So grub er weiter seine Essen aus und wir machten ganz schnell, dass wir die Hügel hinaufkamen. Nun sind wir hier in Lake Louise, haben glücklicherweise endlich wieder einmal einen Computer mit Fotoshop gefunden, sodass Ihr die neuesten Bilder betrachten könnt. Morgen geht es weiter über den ersten Pass, den Kickinghorse, nach Golden.
Distanz: 65 km Total: 4759 km Schnitt: 18.3 km Höhenmeter: 621 m Wetter: regnerisch Wind: variabel, meistens unerheblich
Mittwoch, 16. Juli 2008
Es war recht kühl heute früh (6 Grad), doch strahlend blauer Himmel, obwohl die Prognose Regen vorausgesagt hatte! Und es wartete der erste Pass, der Kicking Horse (1650m/m). Da wir schon auf 1536 m/m starteten konnte das ja nicht allzu schlimm sein. Und hätte ich keinen GPS, wir hätten es nicht bemerkt, als wir die "Passhöhe" überquerten. Für meine Schweizer Kollegen,die Wagenbrechi bei Rorbas ist dagegen überhängend! Es wurde eine der lockersten Etappen der ganzen Reise, denn es ging mehrheitlich hinunter, mit 2-3 Schupfen dazwischen. Hier in Golden starten wir morgen Richtung Revelstoke, und da wird es bestimmt schwerer mit dem Rogers Pass (1382m/m).
Distanz: 88 km Total: 4847 km Schnitt: 21.3 km Höhenmeter: 547 m Wetter: kühl/schön Wind: Nord 15 km
Donnerstag, 17 Juli 2008
Von Golden ging es heute morgen, wiederum bei kühlen 7 Grad, aber herrlichem Sonnenschein, Richtung Rogers Pass. Schon nach 24 km stiegen wir auf 1100 m/m und dachten, okay so sind wir der Sache schon etwas näher. Denkste - es ging runter wieder auf 840 m/m und das 13 km vor der Passhöhe. Und hier hatte ich meinen ersten Platten - nach 4900 km! Einmal nicht aufgepasst, die Aussicht genossen und schon fährt man in die Bierflaschenscherben! Wenn wir für jede Flasche an der Strasse 5 Cent bekommen würden, dann wären wir wohl Millionäre nach diesem Trip!! Die Panne war schnell behoben und wir machten uns an den Aufstieg. Die Steigung war sehr regelmässig, immer 6-7 %, man kam also in einen guten Rythmus. Oben hatte es ein Restaurant, wo wir unser Mittagessen einnahmen und eine Belohnung - PacificTime!! Wir sind jetzt 9 Stunden hinter Euch - haben aber hier wieder eine Stunde gewonnen. Die Abfahrt war noch 70 km lang, was aber nicht heisst, dass es immer runter ging, doch die paar Gegensteigungen waren easy! Da wir den Umweg durch das Städtchen Revelstoke machten, erreichten wir genau vor unserem Motel den 5. Tausender!!!
Distanz: 153 km Total: 5000 km Schnitt: 19.4 km Höhenmeter: 1214 m! Wetter: kühl/ schön Wind: West 20 km
Freitag, 18. Juli 2008
Auch heute ein wunderschöner Tag! Von Revelstoke ging es zuerst etwas rauf, wir sind hier schon wieder auf 455 m/m und links und rechts hat es 3000er! Doch über 600 m/m geht es nicht mehr. Bären gibts hier wahrscheinlich schon noch, aber bei dem Verkehr auf dem HWY1 kann ich mir nicht vorstellen, dass sich da einer auf die Strasse verirrt. In Sicamous (70 km) wollten wir eigentlich Mittagessen und das am See, aber da war nichts. Also weiter Richtung Vernon.Am herrlichen Lake Mara dachten wir, super - da gibt es sicher ein gutes Restaurant. Es war wie am Luganersee, schöne Villen, kleine Resorts und viele Boote - hier eben Hausboote, aber keine Verpflegungsmöglichkeiten. Kaum zu glauben - du fährst um einen solch schönen See und kein Spunten!! Okay, in Grindrod (102 km) wurden wir fündig - ein irrer BikerPub mit gutem Food! Als wir wieder auf unsere Räder stiegen, sahen wir wie sich über Sicamous dunkelschwarze Wolken türmten und das Ganze in unsere Richtung kam. Durch den orkanartigen Wind wurden wir richtiggehend nach Vernon geblasen, und wir traten in die Pedalen, was das Zeug hergab! Die 48 km brachten wir in 1 h und 10 Min hinter uns - ein Rekord auf unserem Trip! Da wir morgen eigentlich "nur" 55 km bis Kelowna geplant haben, werden wir das Programm etwas ändern. Wir machen das ganze Okanagan Valley und zwar bis Penticton, vo da werden wir einen Umweg nach Princeton und dann über den HWY3 nach Hope machen - man gönnt sich ja sonst nichts. Wir hätten es auch einfacher haben können. Von Medicine Hat einfach auf dem 3er bleiben und wir wären nach 5 Tagen in Hope gewesen. Ja Mani, jetzt musst Du schwer arbeiten, mit der Buchhaltung. Aber die Gegend hier ist so schön - wir sind hier im Tessin oder Kalifornien von BC - hier wachsen all die guten Früchte, vorallem aber Trauben und die Leute wissen wie man Wein macht, seit neuestem auch Eiswein!
Distanz: 148 km Total: 5148 km Schnitt: 21.7 km Höhenmeter: 774 m Wetter: schön/gewittrig Wind: West 20 km
Ruth:
Na gut, das mit dem Okanagan Valley wisst Ihr ja nun. Aber in meinen Erzählungen habe ich doch noch ein paar Sachen vergessen zu erwähnen. Da sind einmal unsere Begegnungen mit Schlangen und zwar in der Prärie.So schöne, ca. 50 cm lange schwarze mit leuchtend gelben oder grün-türkis Streifen - sehen mega-giftig aus, seien es aber nicht. Anyway, ich habe es vorgezogen, trotzdem jedesmall die Füsse hochzuheben, wenn wieder eine auf dem Radstreifen sich sonnte...! Im Übrigen, auch das haben wir noch nicht erwähnt - dass wir unsere Warnwesten aus dem Auto mitgenommen haben , hat sich als fast lebensrettend erwiesen. Es gab Autofahrer und auch Trucker, die neben uns angehalten haben un uns ein Kompliment machten, weil wir so super sichtbar wären. Sie meinten sogar von weitem, es wäre die Polizei und vor der haben die sehr Respekt. Apropos Polizei - wegen so einem Simpel bin ich heute fast vom Rad gefallen! Hat der doch genau neben mir die Sirene angestellt, weil er einen Autofahrer kontrollieren wollte. Ich habe mitsamt Rad einen Riesensatz genommen... , habe mich aber nachher gerächt, indem ich ihn mit dem Velo fast umfuhr, als er auf dem Pannenstreifen stand¨
So, nun noch zu den verschiedenen Tieren: dass wir die erste Begegnung mit einem Bären hatten, haben wir ja schon erwähnt. Es war übrigens ein Grizzly, die sind etwas gefährlicher als die herzigen, schnüsigen Schwarzbären. Wir fuhren also das "Engadin" hinunter, hinten und vorne ausnahmsweise kein Auto - was kommt von links aus dem Wald? Ein Schwarzbär! Théo sagt "Ein Bär", der Schwarzbär stoppt auf der Strasse, wir bremsen, alle drei schauen sich für eine Sekunde in die Augen, während mir die Worte von Reno durch den Kopf schiessen "überlass dem Bären, was er machen will". Das hat er und schwupp, das Bord hinauf und ist im Wald verschwunden, noch bevor wir den Fotoapparat zücken können. In solchen Fällen kommt die Sicherheit vor dem Fotografieren, aber das Bild haben Théo und ich auf der Festplatte gespeichert! Das war ein wunderschöner Schwarzbär, wie man ihn oft auf Bildern sieht. OK, das zu den Bären. Dann gibt es noch in Massen die Ground Squirrel, Erdhörnchen vermutlich und die Gophers. Die sind zwar fast eine Plage, aber zum Beobachten so herzig. Die stehen im Grünstreifen neben der Strasse, von weitem meint man es wäre ein Holzstück und wenn man näher kommt - ein Pfiff und schwupp, sind sie in ihren Löchern verschwunden. Die meisten jedenfalls, nur einer hatte Pech. Er hatte uns nicht kommen hören und als wir neben ihm vorbeifuhren, erschrak er, wollte zurück ins Loch, stolperte aber über seine eigenen Füsse und es schlug ihn der Länge nach hin.Wir fanden es lustig, aber er hat wahrscheinlich über die blöden Velofahrer geflucht...! Und was wir auch noch sahen, als wir mal kurz eine Trinkpause machten: einen Weisskopfadler, Bald Eagle (nicht Bold Eagle). Er sass auf einer Tanne und ich konnte mich relativ nahe heranschleichen und einige Fotos machen, bevor er die Flucht ergriff. Wunderschön, das Tier.
Ein weiteres witziges Erlebnis hatten wir noch mit Tieren über den Kicking Horse Pass.Überall gab es immer wieder Tafeln am Strassenrand, dass man auf die freilebenden Schafe und Big Horns aufpassen solle. Die treiben sich (leider) immer wieder auf der Strasse rum. Nun, wir hatten ja die gewaltige Abfahrt und da mein Schatz dabei kein Bremsen kennt, blochte er runter und ich etwas gemächlicher hintennach. Ich wusste nämlich, wenn ich gut schaue, sehe ich die Schafe. Und tatsächlich, auf einem Plateau neben der Strasse lagen sie und sonnten sich. Théo und der Fotoapparat waren aber schon weiss der Teufel wie weit unten, also liess ich das fotografieren... und gab Gas, um iihn vor Golden doch noch aufzuhalten. Und siehe da, weiter unten posierten auf einem Felsen zwei Big Horns, zwei Männer! Die haben riesige Hörner und wenn unsere Steinböcke sich so fotografieren lassen würden...! Aber es kam noch besser: vor Golden noch vor der letzten steilen Abfahrt, wies eine Tafel auf das Visitor Center hin. Und etwa 100 m vorher war links ein Parkplatz, und vor dem Parkplatz ein schönes, sonniges Plätzchen. Da sonnten sie 5 dieser Big Horns - haha, da hat sich das Visitor Center etwas einfallen lassen - platzieren da Kunststoff-Big Horns. Aber nein, die sind ja am Wiederkäuen. Die waren tatsächlich echt. Ein weiterer Tourist und ich waren fleissig am foto-grafien, während die Herren seelenruhig weiterkäuten. Einer lag mit dem Rücken zu uns undwas macht er? Steht auf und legt sich so hin, dass wir ihn gut fotografiern konnten - typisch Mann :-)!! Er hat sich so richtig präsentiert und wir waren natürlich alle hin und weg! Die kennen überhaupt keine Scheu.
Die Fahrten in den vergangenen Tagen haben mich an die Landschaft in der Schweiz und in Österreich erinnert. zuerst das Puschlav runter, dann durch's Inntal, nachher kraxelten wir das Wallis hoch und heute befuhren wir den Lago di Lugano! Wunderschön!
Samstag, 19. Juli 2008
Da es heute heiss werden sollte, starteten wir schon um 0600, d.h. wollten wir starten. Ruth hatte jedoch vorne einen platten Reifen - Ventil kaputt. Ich dachte, ich wechsl gleich den Schlauch und weiter gehts. Doch das Rad eierte, und ich nahm ihn nochmals runter, wieder nichts. Okay, fuhren wir los. Gleich nach der Stadt gings bergauf, und man genoss eine Traumaussicht auf Seen und Berge! Schon nach 55 km waren wir in Kelowna, die grösste Stadt in dieser Gegend. Zuerst gings gleich zum Bike-shop. Der Kerl nahm das Rad und pumpte es auf 8 bar, hätte ich nie getraut, doch der Pneu passte sich an, und er liess danach die Luft raus bis 5 bar, und alles war in Butter! Das Mittagessen war heute chinesisch - ein Super Buffet - ganz nach dem Geschmack von Ruth. Danach weiter über Westbank, Peachland, Summerland nach Penticton. Jedes Dorf muss hier erklettert werden - dazu Traffic dass es einem schwindlig wurde. Die Gegend kann man mit dem Südtirol vergleichen - überall Obstbäume und herrliche Fruchtstände mit frischen Säften! War auch nötig, es war inzwischen 34 Grad und nirgens Schatten. Als wir in Penticton das Motel erreichten, warfen wir die Taschen und Räder ins Zimmer und genehmigten uns erst mal im Pub daneben einen Pitcher Bier - so guet!!
Distanz: 128 km Total: 5276 km Schnitt: 20.4 km Höhenmeter: 1014 m Wetter: schön und heiss Wind: West 20 km
Sonntag, 20. Juli 2008
Heute war wieder Frühstart - Prognose: heiss 34 Grad! Wir starten also ohne Frühstück und gleich gehts in die Berge. Nach 29 km ein Golfplatz mit Restaurant. Das erste, das offen hatte und ein herrliches Frühstück servierte. Die Dame, die uns bediente erklärte uns, dass wir hier im IronManCountry seien und dies hier sei die Radstrecke! Da dachten wir - aha, deshalb diese Pässe-fahrt! Danach gings runter nach Keremeos (tönt griechisch, aber wir sind immer noch in Kanada :-)! Hier füllten wir an einem Früchtestand unsere Energiespeicher, denn nun ging es 60 km immer leicht bergauf nach Princeton. Die Gegend hier wie im Zentralmassiv in Frankreich - ausgetrocknet, heiss, rundherum Hügel. Ich musste an die Drögeler von der Tour de France denken, die glaube ich, jetzt auch dort sind! In Hedley (80 km) war Mittagessen angesagt und danach gings noch gut 30 km bis Princeton. Ruth meinte nach dieser Etappe: " Es richtigs gmüetlichs Sunntigfährtli!"
Distanz: 114 km Total: 5390 km Schnitt: 18.1 km Höhenmeter: 841 m Wetter: schön und heiss Wind: West 20 - 25 km
Montag, 21. Juli 2008
Eigentlich dachten wir heute ginge es gleich weiter wie gestern. Denkste! Gleich vom Hotel stieg die Strasse an und nach 33 km erreichten wir den Sunday Summit auf 1282 m/m - von wegen Sonntag!! Dann 7 km runter und gleich wieder hoch. In East-gate (50 km) Mittagsrast und Landkartencheck! Da auf den Karten hier keine Höhenangaben, auch nur die bekannten Pässe, angegeben sind, konnten wir nur erahnen, dass es wahrscheinlich an diesem Fluss weiter rauf ging. Und tatsächlich nach 76 km kam der Allison Pass (1342 m/m) - wir waren höher als am Rogers Pass! Nun noch 60 km bis Hope, das auf 42 m über Meer liegt, das waren 1300m zu vernichten. Doch die Abfahrt wurde nicht zum Vergnügen, denn neben 6 Gegensteigungen, die längste war 17 km!!! lang, kam unser einziger Gegner auf dieser Reise, der Sauhund, wie wir ihn jetzt nennen, voll von vorne mit 40 - 50 km!! Als wir in Sunshine Valley (114 km) kurz anhielten, um aufzutanken, fragte mich Ruth, ob ich sicher sei, dass Hope auf 42 m liegt. Wir waren hier auf 670 m und vor uns stieg die Strasse immer noch an. Ich war mir sicher, dass meine Recherchen rich-tig waren, und tatsächlich 13 km vor unserem Tagesziel ging es runter - und wie - schliesslich mussten noch 710 m vernichtet werden! Das war aslo eine Finalissima vom Feinsten - die Rockies hinter uns! Seit letzten Sonntag als wir in Calgary in die Rocky Mountains stiegen, haben wir 940 km und fast 7000 Höhenmeter abgestrampelt. Morgen gehts zu unserem ersten grossen Ziel nach Vancouver - noch 150 km!
Dienstag, 22. Juli 2008
Wir sind in Vancouver!!! Wir waren schon um 0500 am packen und um halb 6 fuhren wir los, weil wir wussten, dass der Sauhund heute wieder losschlagen würde. Da wir uns immer zwischen 20 und 40 m über Meer bewegten war uns der Wind eigentlich egal. In Agassiz (35 km) gabs Frühstück, danach weiter bei leicht bedecktem Himmel. Es war ein sehr angenehmes Pedalieren - in Gedanken waren wir beide schon in Vancouver! Berge gab es ja keine mehr - aber da kam SIE! Eine gewaltige Rampe - 600m lang und bis zu 15 % Steigung - das steilste Strassenstück auf unserer ganzen Reise, und das 110 km vor dem ersten grossen Etappenziel. Aber wir quälten uns auch hier hinauf! In Mission (87 km) assen wir unsere schon fast obligaten Spaghetti bolo, um dann frisch gestärkt weiter zu strampeln. Wir wählten heute auch den HWY/, weil hier viel weniger Verkehr war, als auf dem TCH 1. Und mitten in der Pampa erleidet Ruth ihren ersten veritablen Platten - ein riesiger Nagel! Okay, schnell wechseln und weiter gehts zur nächsten Tankstelle, um das Ganze noch zu justieren. Die letzten 50 km sind dann recht gemütlich und auch durch die Stadt läufts prima. Als wir vor dem Hotel ankommen, steht der Concierge schon bereit- ich drücke ihm die Kamera in die Hand und er macht brav Fotos! Den Abend geniessen wir wieder mal im höchsten Restaurant - nur so hat man gleich den Überblick auf die ganze Stadt! Morgen ist unser 4. Ruhetag - und den geniessen wir gewaltig!!!
Distanz: 158 km Total: 5682 km Schnitt: 19.4 km Höhenmeter: 672 m Wetter: leicht bewölkt/schön Wind: West 30 km
Mittwoch,23. Juli 2008
Unser Ruhetag hier in Vancouver ist natürlich voll ausgelastet. Der erste Besuch galt einer Laundry, denn schmutzige Wäsche hatten wir genügend. Währendem gabs Frühstück und InternetCafe! Jetzt brauchen wir noch einen Fotoshop - wir wollen wieder neue Bilder auf die Webside bringen. Und unsere Räder brauchen dringend Überholung (Ketten und Reifen). Morgen gehts weiter Richtung Süden, obwohl wir eigentlich noch einen Ruhetag eingeplant hatten - aber wenns läuft, dann läufts eben! Sorry Mani, Deine Buchhaltung wird gewaltig gestresst! Aber bis gestern war die Planung nicht schlecht, oder :-))!! Wir hatten auch Glück - keine Verletzungen, keine Krankheiten, das Wetter spielt sowieso keine Roll und vor Naturereignissen kann man sich eh nur bedingt schützen (Erdbeben/Waldbrände). Wir hoffen, dass es weiter so super läuft und danken allen für den Support!
Donnerstag, 24. Juli 2008
Eigentlich wäre heute noch ein Ruhetag! Aber wir sind so gut drauf, das Wetter stimmt - also weiter gehts!! Und da wir eh jeden Morgen kurz nach 0500 wach sind, wie zu Hause, machen wir uns gemütlich einen Kaffee, und fahren danach los. Um diese Zeit ist es auch sehr angenehm - fast kein Verkehr, die Sonne ist schon da und herrlich frische Luft - was will man mehr!!Wir verlassen Vancouver über mehrere, riesige Brücken und schon nach 54 km sind wir an der Grenze zur USA. Zuerst kaufen wir im TaxFree noch viel Sonnencreme - wir sind ja optimistisch - und danach gehts an den Zoll. Schon nach 20 Minuten können wir, nachdem wir Fingerabdruck und unsere ganze Radlerstory abgegeben haben, weiter nach Blaine (58 km). Wir decken uns mit YankeeDollar ein, holen Unterlagen im TravelBüro und danach gibts Mittagessen. Die Strecke danach ist relativ flach und da wir ja nicht mehr auf HWY's fahren dürfen, geniessen wir die ruhigen Strassen parallel zur Autobahn. Wir haben eigentlich heute nicht gross geplant, wie weit wir fahren und als wir in Bellington sind, entscheiden wir, hier zu bleiben. Hier müssen wir auch nicht lange nach einer Unterkunft suchen, die Stadt hat 70'000 Einwohner, und da es schon 1500 ist, fällt uns der Entscheid auch leicht.
Distanz: 112 km Total: 5794 km Schnitt: 19.2 km Höhenmeter: 707 m Wetter: leicht bedeckt/schön Wind: West 20 km
Freitag, 25. Juli 2008
Unser 2. Tag im Staate Washington, dem Evergreen State. Hier ist wirklich alles grün - viel Wald und Landwirtschaft. Aber ein schönes Radeln, da wir abseits der HWY's fahren können. Da der Pazifik sehr nahe ist, weht immer ein recht kühler Wind. Die Sonne scheint zwar, doch wir tragen den ganzen Tag unsere Armlinge oder sogar die Jacken. Die Route habe ich so gewählt, dass wir nicht über Seattle kommen, deshalb fahren wir hier praktisch immer auf Halbinseln oder Inseln. Nach 76 km kommen wir an die Ferry nach Port Townsend. Für Autos gilt Reservationspflicht - nicht aber für Fahrräder! Und wir müssen nur gerade 20 Minuten warten und können die Fähre besteigen. Nach 30 Minuten sind wir in Port Townsend, wo wir beschliessen die Etappe zu beenden. Der Ort ist etwas exklusiv, was die Motelpreise betrifft - die schlagen sogar Banff!! Dafür werden wir beim Abend-essen entschädigt. Per Zufall entdecken wir am Hafen ein unscheinbares Beizli namen's T's! Für mich klar - T wie Theo- das kann nur gut sein :-)!! Und es ist Klasse - vom Essen über die Weinkarte bis zum Dessert - und das zu sehr fairen Preisen (die Flasche White Zinfandel für 18 Dollar).
Distanz: 105 km Total: 5899 km Schnitt: 18.4 km Höhenmeter: 843 m Wetter: kühl/schön Wind¨: West 15 km
Samstag, 26. Juli 2008
Heute morgen gings wieder mal ohne Frühstück gleich den Berg hoch aus dem Städtchen raus. Und es ging wirklich den ganzen Tag nur rauf und runter. Aber ich habe Ruth gesagt, dass wir bis Santa Barbara wahrscheinlich einige tausend Höhenmeter machen werden - das wäre also für die nächsten 2'000 Kilometer! Sie meinte nur, das ist eine reine Einstellungssache! Recht hat sie! Dafür wird man von der Landschaft voll entschädigt - sehr abwechslungsreich und immer auf einer Seite Wasser. Dazu sind die Strassen in exzellentem Zustand, ich hoffe das bleibt so, und man findet auch in den Nationalparks eine Tankstelle, sprich Restaurant, was in Kanada nicht der Fall war. Und die Beizen liegen herrlich über dem Wasser, mit Terrasse und viel Seafood! Wir haben eine etwas andere Route, als von ACA (Adventure Cycling Ass.) vorgeschlagen, genommen. Nach 25 km kommen wir zum 1. Mal auf den HWY101, den wir noch des öftern befahren werden. Diesem folgen wir nach Shelton. In Hoodsport (101 km) feiern wir unsern 6. Tausender mit einer Fotosession! Und das v o r einer Winery! Das tat weh, denn da drin gabs Spitzen-weine und man hätte degustieren können. Aber eben wir mussten noch 27 km fahren und da muss man einen klaren Kopf haben. Wir werden die Feier heute Abend nachholen!!
Distanz: 128 km Total: 6027 km Schnitt: 18.3 km Höhenmeter: 1102 m Wetter: kühl/schön Wind: Südwest 5 - 30 km
Sonntag, 27. Juli 2008
Die Wetterprognose für heute sah schlecht aus, also ein sogenannter Jokertag für uns. Das heisst, da wir etwas im Vorsprung sind, schauen wir mal wie sich das Wetter entwickelt und fahren dann los. Es war zwar stark bewölkt, aber ohne Niederschlag. Von Shelton gings Richtung Olympic Mountains und die sahen recht verhangen aus. Jedesmal wenn wir einen Hügel erklommen hatten, wähnten wir uns im Spätherbst - neblig und ein feiner Nieselregen im Gesicht, was nach den Steigungen eigentlich sehr angenehm war! Als wir nach McCleary auf die Autobahn einbogen, fuhren wir voll in eine Radarfalle! Die beiden Polizisten hielten uns an und lachten! "Ihr seid aber gut drauf" meinten sie - "15 miles, that's pretty fast"!! Also wir waren mit 24 km/h unter-wegs und sie wünschten uns eine gute Weiterfahrt. Nach Montesano (60 km) gings endlich südwärts Richtung Raymond. Nach 4 kleinen Hügeln erreichten wir diesen kleinen Ort und hofften, dass die hier ein Motel haben. Es gab zwar eines, aber es wurde gerade renoviert! Aber 4 Meilen weiter in South Bend soll es sogar 2 Unterkünfte geben. Also nichts wie hin. Das erste machte mir keinen sauberen Eindruck und deshalb wollte ich sehen wie das andere aussieht. Es ist das Beste, das wir bis jetzt auf unserem Trip bekommen haben, und das für 82 Dollar. Wir haben schon das Dreifache, für ganz normale Motels bezahlt, aber das hier übertraf wirklich alles - einfach Spitze! Ab morgen gehts endlich nur noch an der Pazifik-Küste entlang - auf das habe ich mich schon seit Beginn unserer Reise gefreut!!
Distanz: 110 km Total: 6137 km Schnitt: 18.0 km Höhenmeter: 736 m Wetter: bedeckt/regnerisch Wind: Südwest 20 km
Montag, 28. Juli 2008
Ein toller Tag! Morgens kühl, über dem Pazifik kleinere Nebelbänke, doch herrlicher Sonnenschein. Der Motelbesitzer hat uns em-pfohlen auf dem HWY101 zu bleiben, denn so würden wir and der Küste fahren und viel mehr Scenic Route mitbekommen. Es war ein guter Ratschlag! Wir hatten nur unsern Kaffe und danach gings 65 km bis Illwaco bis wir unser Frühstück geniessen durften - war aber kein Problem - wir hatten Früchte bei uns und die Gegend entschädigte für alles. Überall waren Austern-fabriken - unwahrscheinlich was hier abgeht! Riesige Berge von Schalen türmen sich neben diesen Häusern - für uns ein sehr un-gewohntes Bild! Wir beide sind ja nicht unbedingt AusternFans, aber hier hat es auf jeder Menukarte Austern bis zum Abwinken! Ich habe das Gefühl, dass man hier den Kinder schon zum Frühstück statt Nutella Seafood zum Essen gibt :-)!! Das absolute Highlight der Etappe war natürlich die Überquerung des Columbia-Rivers - die Grenze Washington - Oregon. Die Brücke ist 6.4 km lang!!! Die ersten 4 km sind flach, man ist 10 m über dem Wasser, danach kommt die eigentliche Brücke, unter der auch die grossen Schiffe passieren, und da steigt man auf 65 m hoch. Die Aussicht ist genial! Danach ist man in Astoria, und von hier sind es noch 25 km bis Seaside, unser Tagesziel von heute. Und heute m u s s t e ich meinen Hinterreifen entsorgen! Obwohl der Bikeshop hier keinen Schwalbe Marathon hat - den gibts hier nirgends in Nordamerika - habe ich jetzt einen neuen Reifen hinten, und hoffe der hält auch nur die Hälfte aus, was der andere!!
Distanz: 121 km Total: 6258 km Schnitt: 20.3 km Höhenmeter: 638 m Wetter: schön Wind: Südwest 15 km
Ruth:
Ok, das mit Golden und den Big Horns wisst Ihr ja nun. Etwas allerdings habe ich bei Moose Jaw vergessen zu erzählen - dass nämlich in dem Ort Al Capone unterirdische Gänge durch die ganze Stadt gegraben und intensiven Alkoholschmuggel betrieben hat. Die Gänge sind heute noch vorhanden und man kann sie auch besichtigen.
Weiter ging nun die Fahrt durch traumhafte Täler, wir kamen uns vor wie im Südtirol. Die Route wird die Wine-Route genannt, interessanterweise jedoch waren zuerst überhaupt keine Reben zu sehen, dafür jede Menge Christbaumkulturen! Wir fuhren also weiter, das Südtirol hindurch, dann ins Tessin. Links der See, rechts die Berge - es war einfach wunderschön. An vielen Verkaufsständen wurden Früchte angeboten, von Kirschen, Aprikosen, Pfirsichen über Trauben, Äpfel und Birnen wächst dort alles, was das Herz begehrt. Wir deckten uns denn auch intensiv mit diesen unvergleichlich gut schmeckenden Früchten ein, die so frisch genossen, ein tolles Aroma haben.
Wie die einzelnen Tage verlaufen sind, hat Théo in seinen Berichten jeweils auch beschrieben. Nur soviel sei zu sagen - es war heiss, es war traumhaft schön und die Gegend war sehr interessant. Dass wir in Hedley, einer uralten Goldgräberstadt, das Mittagessen einnahmen und ich die besten Pestospaghetti meines Lebens bekam, sei nur am Rande erwähnt! Interessant waren die Baracken von den früheren Goldgräbern, die an den Bergen am steilen Felsen heute noch kleben und die auch immer noch besichtigt werden können. Dass es dann von Princeton nach Hope nochmals zünftig bergauf ging, hätte ich mit vorher nicht träumen lassen, aber was blieb mir anderes übrig, als einmal mehr mit dem Velo zu klettern, obwohl ich das früher immer gehasst habe! Aber wir habens locker geschafft und so dachte ich unten im Tal, nun ist der Stress vorbei! Nichts damit - wir fuhren in einen Provincal Park und was stand da? Ein Holzbär! Also ging der Stress weiter, dieses Mal nicht mit den Bergen, sondern wieder mit der Angst vor Bären! Wir machten in einem Resort einen Trinkhalt, ich ging ahnungslos in den Laden, um mich noch etwas umzuschauen und was hing für ein Zettel an der Tür? Richtig - eine Warnung! Und zwar hätte es eine Bärenmutter im Gebiet und die sind bekanntlich besonders gefährlich. Schwupps - mein Blutdruck stieg grad noch etwas weiter an! Aber auch das über-standen wir glücklich und ohne Bären, ich denke, es hatte zuviele Touristen und zudem war es Mittag, also machten die Bären sicher ihren Mittagsschlaf. So erreichtenwir am anderen Tag Vancouver.
Vancouver ist eine mega zauberhafte Stadt, vom Aussichtsturm kann man die ganzhe Region überblicken. Vorallem die Sicht zum Grouse Mountain und Richtung Wistler ist total faszinierend. Théo zeigte mir dann auch noch die Dampfuhr in der Altstadt. Wir waren gerade zur rechten Zeit dort, um den sechs-Uhr Glockenschlag mitzuverfolgen. Bei der geraden Zeit pfeift die Uhr und stösst ganze Dampfwolken aus, was natürlich vorallem die Touristen anzieht.
Etwas haben wir auch noch gesehen, dass uns zum Lachen gebracht hat: der Rhein ist sonntags das reinste Waisenkind gegen-über dem Kanal in Penticton. Tausende und abertausende von Gummibooten und besoff... jungen und alten Leuten verbringen den Sonntag auf dem Kanal, vor lauter Boote sieht man kaum mehr Wasser! Der reine Wahnsinn!
Nach dem Ruhetag in Vancouver freuten wir uns bereits wieder darauf, die nächsten Etappen und vorallem die USA unter die Räder zu nehmen. Gemütlich ging es aus Vancouver raus, über riesige Brücken und an vielen Heidelbeerfeldern vorbei Richtung Grenze. Zu unserem Erstaunen brauchten wir nur gerade 20 Minuten, um die Zollformalitäten abzuwickeln. Die Zöllner, sonst ei-gentlich sehr streng und sehr dienstlich, waren ab unserer Leistung sehr beeindruckt. Die obligaten Fingerabdrücke links und rechts und die Fotos waren das einzige, was wir machen mussten. Gepäckkontrolle gab es keine - wir hätten also alles schmuggeln können. Weiter ging es nach Port Townsend, von wo aus wir am anderen Morgen in neuer Frische starteten. Dass die Rehe in Kanada bei den Häusern weiden, waren wir uns schon gewohnt, aber dass zwei Hirsche und zwei Rehe mitten in der Stadt am Strassenrand weiden und sich weder von den Autos noch von Radfahrern beeindrucken lassen, das war sogar für uns neu. Wir haben sie natürlich geknipst, was sie aber völlig kalt liess. Am Abend erreichten wir das Motel, eines von den zweien, die es in Shelteon gab und in dem Théo glücklicherweise reserviert hatte, denn sonst hätten wir im Freien schlafen müssen, da gleichzeitig noch die jährliche County-Fair stattfand. Und damit hatte Théo gleich noch einen neuen Freund - den Motelbesitzer. Dreimal dürft Ihr raten wie er heisst ..... Haldemann! Vor 200 Jahren ist seine Familie aus der Schweiz ausgewandert. Ich hätte ja gerne ein Foto von ihm gemacht, aber Théo hat es mir verboten! Das solltet Ihr sehen - der Mister Haldemann mit dickem Bauch, Bart, gebogener Tabakpfeife und immer einen Hut auf, den er jedesmal, wenn er Théo sah, gezogen hat. Zum Schiessen, kann ich Euch sagen!!
Über die nächsten Etappen will ich nichts weiter erzählen, denn meine stille Hoffnung, dass es endlich etwas flacher wird, hat sich nicht erfüllt! Im Gegenteil - morgen sind schon wieder einige Höhenmeter angesagt, aber was solls, dann machts man halt! Wir sind ja nun endlich am Pazifik und die Aussicht auf das Meer, das Rauschen der Wellen, der Gestank der Oyster- (Austern) Farms, die Douglastannen, die Farne und überhaupt die ganze Landschaft entschädigen mich jedesmal für das Kraxeln!!
Dienstag, 29. Juli 2008
Die USA leiden im Moment unter einer grossen Hitzewelle. Doch ganz im Nordwesten gibts auf dem Wetterradar einen gruenen Flecken - ja genau, da radeln wir! Waehrend man in den Staedten Center fuer hitzegeplagte Bewohner einrichtet, fahren wir mit Beinlingen und Windjacken durch Kaelte und Regen! Deshalb planten wir heute auch nur eine kurze Etappe nach Tillamook. Nach dem ersten Berg erreichten wir Cannon Beach (10 km). Dieses pittoreske Staedtchen ist beruehmt fuer die Felsen, die hier im Meer stehen, wahrscheinlich eines der meistfotografierten Sujets der Pazifik-Kueste. Die naechsten 30 km gingen entweder uphill oder downhill. Jedes mal gabs oben einen VistaPoint und die Aussicht war, trotz Nieselregen, im wahrsten Sinne atemberaubend!! Nach etwas mehr als 80 km erreichten wir Tillamook - d e r Kaeseort von Oregon. Und da neben unserem Hotel eine Winery mit Kaese-Degustation steht, ist fuer uns klar was wir heute noch unternehmen. P.S. Schaut doch mal woher der Wind heute wehte - ist doch Klasse oder :-)!!!Distanz: 82 km Total: 6340 km Schnitt: 17.4 km Hoehenmeter: 823 m Wetter: stark bewoelkt/regnerisch Wind: Suedsuedwest 30 km
Mittwoch, 30, Juli 2008Auch heute wars kuehl, es nieselte und die Wolken hingen sehr tief. Doch nach unserem obligaten Kaffee, setzten wir uns aufs Rad und nahmen den HWY101 und nicht die Route von Adventure Cycling. Das erwies sich als Gluecksgriff. Die Route der ACA ist naemlich so gelegt, dass man auch jeden Zeltplatz dabei passiert, und da wir ja CCC (CreditCardCycler) sind, also im Hotel uebernachten, brauchen wir nicht unbedingt diese Routen abzufahren. Wir fuhren etwas weg von der Kueste, inmitten von vielen Huegeln, aber die Strasse fuehrte praktisch nie bergauf - ich konnte es kaum glauben. In Cloverdale (36 km) genossen wir unser Fruehstueck und kurz nach Neskowin (54 km) kam der erste Bergpreis. Bis dahin hatten wir erst 150 Hoehenmeter gemacht. Doch dieser Hoger kompensierte alles. Nach Lincoln City (70 km) gings wieder der Kueste entlang - einfach phaenomenal! Man kann sich nicht sattsehen - die Landschaft ist einmalig! Das Meer, die schroffen Felsen, viel Wald und mittendrin schlaengelt sich die Strasse vorbei an tollen Villen und Resorts - ein Ort wo man gerne laenger verweilen wuerde. Unser Ziel heute war Newport, eine etwas groessere Ortschaft mit vielen Hotels, was uns natuerlich entgegen kam.
Distanz: 114 km Total: 6454 km Schnitt: 19.3 km Hoehenmeter: 881 m Wetter: bewoelkt/regnerisch/schoen Wind: Nordwest 25 km
Donnerstag, 31. Juli 2008
Heute waren die ersten 80 km Küstenfahren pur, das heisst, rechts der Pazifik und links Hügel. Natürlich auch für uns nur Ups and Downs! Aber die Aussicht entschädigte für alles! In Florence oder Florenz gabs natürlich Spaghetti zum Mittagessen. Auch heute war es von Beginn weg sonnig, aber sehr kühl und dass hiess auch heute Armlinge und Jacken! Seit Hope fahren wir nun am Morgen "lang". Ich freue mich, wenn ich wieder mal von Anfang an kurz fahren kann, denn schliesslich ist jetzt August - Hochsommer! Aber der kühle Wind vom Meer lässt die Temperatur erst nach Mittag um die 20 Grad steigen. Frühmorgens ist es knapp 10 Grad. Unser Tagesziel war Reedsport, eine kleine Ortschaft im Dune Country, das liegt hier etwas zurückversetzt hinter den Dünen. Eine Ortschaft weiter ist das ganze Wochenende Dünenfest, da blochen die Amis zu tausenden mit ihren Quads, Töffs und selbstgebastelten Fahrzeugen in den Sanddünen herum.
Distanz: 115 km Total: 6569 km Schnitt: 18.7 km Höhenmeter: 977 m Wetter: kühl/schön Wind: Südwest 20 - 30 km
Ruth:
Bezüglich Théo's Freund Haldemann habe ich noch zu erwähnen: er hat nicht nur einen dicken Bauch, eine gebogene Pfeife, einen Hut auf - nein, er hat auch noch eine Brille, dick wie Flaschenböden und aus der Zeit stammend, als seine Familie von der Schweiz auswanderte! Aber eben - ich durfte ja keine Fotos machen, sonst könntet Ihr das live sehen.
Weiter ging unsere Reise in den letzten Tagen wie Théo auch schon erwähnte, der Küste nach. Wirklich traumhaft die Kulisse, das Rauschen der Wellen und der feine Dunst, der in der Luft hängt. Man hat das Gefühl, es wäre Nebel, was es aber nicht ist, sondern durch die kühlen Temperaturen bilden sich diese feinsten Wasserwolken, die sehr salz- und jodhaltig sind. Am frühen Morgen tut es richtig gut, diese Luft einzuatmen und es ist wie ein Jungbrunnen für uns. Das Städtchen Seaside hat mir sehr gut gefallen. Auf etwa 5 Meilen Sandstrand kann man da herrlich spazieren. Es sind denn auch immer sehr viele Leute, auch am Abend, noch am Strand, einen haben wir gesehen, der hat sogar ein Partyzelt aufgestellt und sich mit seiner Frau und seinen zwei Hunden den Sonnenuntergang zu Gemüte geführt. Die Fahrt nach Tillamook war wie immer rauf und runter, oben in den Bergen hingen die Wolken in den Bäumen und vorallem dort hat es geregnet. Interessanterweise hörte der Regen auf, wenn wir runter an den Pazifik bretterten. Dass die Eisenbahn zeitweise auf einem extra erstellten Damm durch die zahlreich vorhan-denen Seen geführt wird, hat mich total fasziniert. Die Seen überhaupt sind wunderschön. Teilweise sind sie kaum mehr zu sehen, so viele Seerosen, in allen Farben blühend, bedecken das Wasser. Fuchsien, bei uns teuer gekauft und schlecht zu über-wintern, wachsen hier an den Strassenrändern meterhoch und über und über mit Blüten bedeckt. Fast in Tillamook angekom-men, hat uns dann doch noch der Schrecken gepackt - wahrscheinlich nur 2 bis 3 Minuten vorher ist ein Pickup (die schlimmsten Autofahrer hier im Land!) nach links von der Strasse abgekommen und im Graben gelandet. Hätten wir diese Stelle nur etwas früher passiert, wären wir wahrscheinlich heute nicht am Schreiben. Aber so hatten wir einmal mehr Glück, genau wie die drei Girls, kaum älter als 16, 17 Jahre! In Tillamook selber waren wir dann froh, endlich aus den nassen Klamotten zu kommen und das Feierabendbier serviert im Einmachglas, schmeckte Théo genauso wie die Erdnüsse, deren Schalen wir gebeten wurden, einfach auf den Boden zu werfen. Das sah aus - aber die Lady, die servierte, erklärte uns, dass so extra eine Frau zum Reinigen kommen würde und die somit wieder eine Arbeit hätte. Finden wir eine sehr soziale und liebenswerte Einstellung.
Mit bedecktem Himmel starteten wir heute früh (sieben Uhr war angesagt!) Richtung Reedsport. Nicht lange und die Sonne schien vom blauen Himmel. Der Ride der Küste entlang war zauberhaft, vorallem, als wir zuerst einen wunderschönen Leucht-turm als Fotomotiv für Théo's Schwester sahen und, wie wir unseren Blick vom Pazifik und dem Leuchtturm zu den Felsen unter uns schweifen liessen, Dutzende von Seelöwen sahen, die sich auf den Felsen sonnten. Einige tummelten sich im Wasser - ein Wahnsinnsanblick. Was uns wunderte, waren die Leute, die schon am frühen Morgen dem Strand entlangliefen und so komische Netze - wie Schmetterlingsnetze - trugen. Die Lösung fanden wir auf einer Tafel. Die Leute suchen Seegetier! Und zwar ist es wie beim Pilzen: pro Tag sind erlaubt: 1 Tintenfisch, 12 männliche? Krabben, 2 Pfund Crevetten. Ganz verboten zu sammeln sind Austern! Es versteht sich von selbst, dass wir zur Zeit vorallem von Seafood leben - so eine Gelegenheit bietet sich nicht so schnell wieder. Und wir können Euch versichern: Crevetten so frisch gefischt, schmecken unvergleichlich besser als tiefgekühlte!
Freitag, 1. August 2008
Jetzt weiss ich warum hier alles so schön grün ist! Da es hier scheinbar jeden 2. Tag regnet oder nieselt! Auch heute wieder, kühl und Nieselregenl, doch für uns kein Problem, denn es ging gleich bergauf. In NorthBend (37 km) gabs Frühstück und In-terviews mit den Gästen und der Wirtin. Alle wollen wissen war wir machen und sind natürlich erstaunt, dass 2 so alte Leute :-) so was unternehmen. Und wie immer wollen sie das in später Zukunft auch machen!! Ich sage immer: wenn man Träume hat, dann muss man sie verwirklichen - irgendwann ist es zu spät! In Bandon (80 km) trafen wir beim Mittagessen einen deutschen Radler (aus der Nähe von Frankfurt) der vor 3 Wochen in Vancouver gestartet war. Wir erzählten ihm natürlich nicht, dass wir vor 11 Tagen auch dort waren. Aber so fährt halt jeder sein Tempo und schaut sich die Sachen halt noch genauer an. Im Niesel-regen gings dann wieter bis Port Orford, unserem Tagesziel. Das Motel lag etwas ausserhalb, auf einer Anhöhe mit Blick aufs Meer und diesen typischen Felsblöcken, die hier herausragen. Ein Bijou und sehr ruhig gelegen. Die Wirtin empfahl uns dann noch ein Hafenbeizli, dass wir schliesslich auch fanden - Extraklasse - klein, windschief, aber Seafood vom Feinsten! Die Fenster konnten wir in der Nacht offen lassen - wir hörten nur das Rauschen des Meeres...!
Distanz: 133 km Total: 6702 km Schnitt: 18.9 km Höhenmeter: 936 m Wetter: kühl/regnerisch Wind: West 10 - 20 km
Samstag, 2. August 2008
Ein goldiger Tag! Im Bett sitzend, genossen wir den Blick aufs Meer, die ersten Sonnenstrahlen und freuten uns auf einen herr-lichen Radlertag! Wir konnten mal ohne Jacken, jedoch mit Armlingen starten. Wieder ging es praktisch nur am Meer entlang. In Gold Beach (43 km) gabs Frühstück und wir mussten unbedingt ein Hotel buchen. Am Samstag, wie auch am Freitag ist es sehr ratsam während der Ferienzeit frühzeitig zu buchen. Mittagessen gabs in Brooking (90 km), also kurz vor der Grenze. Bei Km 102 fuhren wir in Kalifornien ein - unser letzter Staat auf unserem Trip! Den Golden State werden wir fast auf der ganzen Länge durchradeln, also etwa 1000 Meilen (1600 km). Eigentlich dachte ich, wir müssten noch den AgroZoll passieren. Das ist da wo man auf Früchte, Gemüse usw. gecheckt wird, damit man ja keine Viecher einschleppt. Aber scheinbar gibts den nicht mehr - Arnie hat ihn wohl eliminiert! Schon kurz vor unserem Tagesziel in Crescent City durften wir die ersten Redwoods bewundern - die grössten Bäume auf unserem Planeten!
Distanz: 135 km Total: 6837 km Schnitt: 18.5 km Höhenmeter: 1077 m Wetter: schön Wind: West 20 - 30 km
Sonntag, 3. August 2008
Logischerweise heute wieder ein trüber Tag, und sehr kühl! Das störte uns jedoch gar nicht, denn wir hatten 2 der 3 gröberen Kaliber Richtung San Francisco zu überqueren. Schon 3 km nach dem Start gings in die Steigung. Doch wir waren schon voll in den Redwoods - und an so einem Sonntagmorgen, mit wenig Verkehr, hatten diese stummen Riesen im nebelverhangenen Wald etwas mystisches, ja fast unheimliches! Es war faszinierend in dieser Stimmung hoch zu radeln. Immer wieder mussten wir anhalten - es ist unglaublich, wie gross diese Bäume sind!! Auf den ersten 40 km machten wir 715 Höhenmeter. In Orick (62 km) gabs Mittagessen, dabei waren 2 Radler aus Australien, die wir schon seit 2 Tagen immer wieder sehen, und 3 Damen aus der Gegend, die hier einige Tage Richtung Süden strampeln. Sie werden begleitet und brauchen kein Gepäck mitzuschleppen. Die restlichen 70 km waren wie immer ein Auf und Ab, nicht allzu steil, aber natürlich mit der Zeit recht kräftezehrend. In Eu-reka, eine schöne Stadt mit toller Historic Town, bezogen wir unsere Logis. Und mit uns checkten auch die 3 Damen ein. Jetzt haben wir uns für morgen Abend zum Essen verabredet, denn ihr Ziel ist auch Garberville!
Distanz: 136 km Total: 6973 km Schnitt: 18.0 km Höhenmeter: 1307 m Wetter: bedeckt/kühl Wind: West 15 - 25 km
Montag, 4. August 2008
Ab heute habe ich wieder meine alte Handy-Nummer: 0041 79 612 80 17
Heute morgen wurde ich durch meine Handy aufgeweckt. Radio Munot wollte wissen wie alles läuft! Da wir im Vorfeld unserer Reise schon ein Interview mit dem Schaffhauser Radio hatten, war es klar, dass sie nun wissen wollten wie das Ganze bis jetzt abgelaufen ist. Wann das Interview gesendet wird weiss ich nicht! Wir hatten wieder Nieselregen und stark bewölkt, doch das hinderte uns nicht, noch früher als sonst loszufahren. Wir waren hier schliesslich auf der Avenue der Giganten und es war einmal mehr beeindruckend durch diese gewaltigen Wälder zu radeln. Schon kurz nach 1000 schien auch schon die Sonne und wir konnten seit langem mal wieder ohne Jacken und Armlinge fahren. Die Adventure Cycling Route führt ja eigentlich immer an den Campingplätzen vorbei und deshalb blieben wir auf dem HWY101, wo wir viel mehr Infos über Sehenswürdigkeiten erhalten und auch die Route viel angenehmer zu fahren ist. Deshalb waren wir auch erstaunt, dass wir schon kurz vor 1500 in Garberville ein-trafen und erst noch weniger Kilometer abspulen mussten. Heute hatten wir 2 Jubiläen zu feiern: Erstens waren wir 60 Tage im Sattel und in Fortuna (27 km) - Nomen est Omen - erreichten wir unsern 7. Tausender!!! Nicht schlecht für 2 so alte Knackies, oder ?!!!
Distanz: 111 km Total: 7084 km Schnitt: 19.0 km Höhenmeter: 877 m Wetter: bedeckt/schön Wind: West null km
Dienstag, 5. August 2008
Von Garberville gings heute über den grössten Brocken auf dem Weg nach S.F. Das Wetter herrlich, etwas kühl, aber feines Radlerwetter. In Legget (38 km), kleiner Imbiss und Smalltalk mit 4 Burschen aus Eureka, die nach San Francisco radeln. Hier in dem Ort beginnt der legendäre HWY1 und auch gleich die Steigung. Die Jungs holen uns schon nach 2 km ein. Doch auch sie brauchen ihre Pausen und so zersägen wir sie halt :-9!! Auf jeden Fall oben sind wir alleine und geniessen eine herrliche 15 km lange Abfahrt zurück an den Pazifik. Und hier ist es wieder bitter kalt, rund 15 Grad kühler und neblig. Auch der HWY ist eine reine Achterbahn - rauf und runter, 180 Grad Kurven und relativ eng. In Fort Bragg machen wir Halt und geniessen einen ge-mütlichen Abend.
Distanz: 110 km Total: 7194 km Schnitt: 17.1 km Höhenmeter: 1646 m Rekord! Wetter: schön/bedeckt/kühl Wind: West 10 - 15 km
Mittwoch 6. August 2008
Heute war wieder Küstenfahren angesagt. Neblig und feucht, und kühl, wie fast jeden Tag hier am Pazifik, gings Richtung Mendocino. Die kleinen Orte haben fantastisch schöne Motels und Restaurants mit bekannten Köchen - etwas unge-wohnt für Amerika! Wir hofften, dass wir am Ziel des Tages auch so etwas Nettes finden würden. Aber vorerst ging es mal wie-der rauf und runter. In Elk gabs ne heisse Schoggi und feine French Toasts... mmmh so guet! Einige HarleyFahrer wollten alles über unsern Trip wissen und plötzlich sassen all die Leute im Cafe an unserem Tisch. Wir mussten wieder Mal alles erzählen und wurden mit Fragen gelöchert! In Gualala (95 km km) entschieden wir, den Tag abzuschliessen. Ein schönes Motel mit kleinen Cottage-Häuschen, sagenhaft schön eingerichtet, mit Whirlpool und kleiner Terrasse! Und beim Einchecken wollten sie wissen, ob wir Cider oder Champagner im Kühlschrank wollten!!! Was für eine Frage!! Nachdem wir auch noch den Esstip für heute Abend bekamen, glaube ich wird das ein wunderschöner Aufenthalt. Da es von hier nach S.F. doch noch gut 180 km sind, wer-den wir morgen die geplante Route ändern, und ins Innere fahren Richtung Santa Rosa! Wir sind hier dann im Sonoma County, also d a s Weingebiet in Kalifornien, u.a. mit dem Napa Valley! Und da Ruth und ich gerne Trauben mögen, auch wenn sie schon etwas vergoren sind, m ü s s e n wir da hin :-))!!
Distanz: 95 km Total: 7289 km Schnitt: 18.0 km Höhenmeter: 1307 m Wetter: bedeckt/kühl/schön Wind: Nordwest 10-15 km
Donnerstag, 7. August 2008
Was ist los? Im Moment wo ich diese Zeilen schreibe sind 6 Gäste online - wow so schön! Es ist 5 Uhr in Europa! Hier in Santa Rosa ist es 2000, wir haben eben super fein gegessen, beim richtigen Italiener, er kommt aus Parma und ist angefressener Rad-ler und Pilzsammler!! Und die Weinkarte - vom Allerfeinsten! Heute morgen, wie immer kühl und neblig, gings von Gualala Rich-tung Jenner, das liegt nicht in Österreich!! Nach Fort Ross (36 km) kamen die grossen Brocken, zweimal von 0 auf 600 Fuss, so richtig im Nebel! In Jenner, kleiner Imbiss, und dann Richtung Santa Rosa. Keine 3 Meilen später konnten wir nach uuulanger Zeit wieder mal unsere Armlinge und Jacken ausziehen - Sonne pur und 20 Grad! Entlang des Russian Rivers, einer wunderschönen Scenic Route gings via Guerneville und Forestville in das riesige Weinbaugebiet von Sonoma County! Gut 20 km vor Santa Rosa wars dann wirklich schwer weiter zu radeln. Weinbauern, Weinstuben, schöne Früchtestände und natürlich auch die Gegend - irrig schön! Doch wir waren standhaft, zogen durch bis Santa Rosa, bezogen unser Hotel, und dann ganz schnell ins Städtchen. Ruth meinte, hier könnte sie es wirklich länger aushalten! Dem kann ich nur zustimmen - wir kommen wieder! Und morgen gehts nach S.F., noch knapp 80 km, das wird ein lockeres Pedalieren in den Weinbergen. Danach Fotoshooting an der Golden Gate und Einzug in San Francisco. Hotel habe ich zum Glück heute gebucht - war gar nicht so einfach. Und dann geniessen wir unsern 5. Ruhetag! In den letzten 10 Tagen haben wir über 11000 Höhenmeter abgestrampelt - wir werden noch richtige Bergziegen!Aber Ruth hat eh das Gefühl, wenn wir mal 10 km relativ flach fahren, dass wir heute wieder einen Ruhetag einlegen würden!!!
Distanz: 114 km Total: 7403 km Schnitt: 18.1 km Höhenmeter: 1246 m Wetter: bedeckt/kühl/schön Wind: West 20 - 25 km
Freitag, 8. August 2008
Eigentlich wollten wir ja über den HWY101 Richtung S.F. fahren, was wir zu Beginn auch machten, doch es war zu stressig - viel Verkehr und Glasscherben ohne Ende. Wir wechselten auf Parallelstrassen, was natürlich etwas aufwendiger war. Nach 60 km erreichten wir die ersten Vororte von S.F. und von da war es dann besonders tricky. Es gab zwar beschriftete Radwege, aber die endeten meistens irgendwo in einem schönen Quartier! Doch schlussendlich gelangtenn wir via Sausolito auf die Golden Gate Bridge! Die Sicht auf S.F. gewaltig - Sonnenschein, jedoch sehr starker Wind! Die Fahrt über die Brücke ein Graus - Tausende auf Mietvelos, dazu Fussgänger - wir waren froh, als wir heil drüben waren. In der Stadt gings eigentlich recht gut - ich fand eien re-lativ moderat steigende Strecke in unser Hotel! Ansonsten sind einzelne Strassen für Fahrräder nicht zu bewältigen, auf jeden Fall nicht unsere vollbepackten Stahlesel!! Am Samstag ist unser 5. Ruhetag, d.h. Waschen, Internet - wir wollen endlich die Fotogallery füttern, Shoppen und Relaxen!!!
Distanz: 118 km Total: 7521 km Schnitt: 18.5 km Höhenmeter: 942 m Wetter: kühl/schön Wind: West 20 - 30 km
Samstag, 9. August 2008
Wir geniessen San Francisco!! Es ist herrliches Sommerwetter - was hier nicht unbedingt selbstverständlich ist! Und das Beste: Die Fotogallery ist wieder gefüttert! Unter dem Ordner Vancouver - San Diego findet Ihr die neuesten Bilder!!!
Ruth:
Vom besten Erdbeerkuchen der Welt und Bäumen, die in den Himmel wachsen....
Dass wir Seelöwen gesehen haben, habe ich ja schon erzählt. Sie werden später nochmals eine Rolle spielen. Zunächst einmal die Weiterfahrt der Küste entlang: Start morgens wie immer kühl und feucht durch den Nebel, der vom Pazifik aufsteigt. Gegen Mittag vermag dann die Sonne durchzudringen, sodass der Nachmittag meistens herrlich schön und warm ist. Den 1. August begannen wir wie immer, entlang der Küste, eher gegen das Innere fahrend. An einem Fluss hatten wir das Glück, eine Wasch-bärenmutter mit ihren drei Jungen bei der Futtersuche zu beobachten. Leider suchten sie aber schnell das Weite, bevor wir unsere Kamera hervornehmen konnten. Imposant anzuschauen waren auch die Sanddünen, die sich zu grossen Hügeln aufbauen und auf denen die Leute ihren Freizeitsport frönen - dem Sanddünenfahren. Sei es mit dreirädrigen Motorrädern oder umgebauten Autos - einfach mit allem, was irgendwie fährt und vorallem Benzin verbraucht! Etwas mulmig war uns zumute als wir am späteren Nachmittag in Port Orford ankamen. Das Dorf sah aus wie ausgestorben und zum Glück hatte Théo am morgen bereits telefonisch ein Motel gebucht. Wir fanden es nicht gleich auf Anhieb und siehe da - wo lag es? Ja, natürlich ausserhalb des Dorfes auf einem Hügel! Also hiess es nochmals kräftig in die Pedalen treten. Die Aussicht entschädigte uns dann allerdings für die Mühe. Auch das Nachtessen, denn wir erhielten von unserer Herbergsmutter den Tip, dass im Hafen eine ausgezeichnete Fischbeiz wäre. Wir sattelten also nochmals unsere Räder, fuhren den Hang hinunter (den mussten wir nach dem Nachtessen demnach wieder rauf!!) und suchten das Beizli. Zwischen Kühlhäusern und alten und weniger alten Schiffen durch, wurden wir dann schliesslich fündig. Und ich kann Euch sagen, es hat sich gelohnt. Zwar hatte es nur sechs Tische, die aber waren ständig besetzt und das Seafood war exzellent! Mit dem Rauschen der Wellen und der Aussicht vom Bett auf den mondbeschienenen Pazifik holte uns dann der wohlverdiente Schlaf ein.
Weiter ging die Fahrt am anderen Morgen - rauf und runter.... Ich musste dann aber Théo doch einmal fragen, ob er sicher sei, dass wir uns nicht verfahren hätten und in den Anden gelandet wären. Überall Lamas, fast mehr als Kühe. Wir verliessen dann den Staat Oregon und fuhren in Kalifornien ein. In der Erwartung, dass es immer noch einen Landwirtschaftszoll gibt, der jeg-liche Einfuhr von Früchten und Pflanzen verbietet, hatten wir nichts dabei - der Zoll existiert in der Zwischenzeit ab er auch nicht mehr. Arnold hat das Gesetz wahrscheinlich aufgehoben! An riesigen blühenden Feldern von weissen Lilien vorbei ging die Fahrt weiter Richtung Eureka. Wir befuhren die Redwoods, Bäume so hoch wie Hochhäuser bei uns, so dick, dass man mit dem Auto hindurchfahren kann und mystisch, wie Théo es bereits beschrieben hat - ein Genuss. Ein paar Kilometer vor Eureka plagte uns dann so der Hunger, dass wir beschlossen, einen Kuchen- und Kaffeehalt einzuschalten. Und es hat sich doppelt und dreifach gelohnt: so einen guten Erdbeekuchen haben wir unser ganzes Leben noch nie gegessen! Ein dünner Mürbeteigboden, darauf mindestens ein Pfund kalifornische Erdbeeren, überzogen mit einem süssen Erdbeerguss, darauf ein Berg Schlagrahm - Kari, Du müsstest davon sicher gleich zwei essen :-))!!
Dass wir wieder wie immer bei kühlem Wetter starteten, muss ich nicht mehr extra erwähnen. Dafür war es dann am Nachmittag unsäglich heiss, als wir in Garberville ankamen. Garberville muss irgend einen besonderen Anziehungspunkt haben, dann vorallem trieben sich hier Späthippies und Gammler rum - wobei es aber ein Best Western Hotel hat, also auch zahlungs-kräftige Kundschaft herkommt!
Richtung S.F. passierten wir noch einige nahrhafte "Hügel". Dabei kamen wir an einem soeben erst gelöschten Waldbrand vorbei, der Geschmack ging einem unter die Haut und die verbrannten Bäume gaben zu denken. So ein Waldbrand kann ent-stehen, wenn nur jemand eine nicht ganz ausgedrückte Zigarette zum Autofenster rauswirft, zwei kleine solche Brände hatten wir Wochen vorher schon erlebt.
Wer kennt nicht das Lied von Michael Holm: Mendocino? Genau dieses Dorf passierten wir auch und nachher lief uns den ganzen Tag das Lied nach :-). Weiter ging es und da wir uns kurzfristig entschlossen, Santa Rosa zu besuchen, schwenkten wir in Jenner ab. Der Russian River fliesst hier in das Meer und bei der Vorbeifahrt dachten wir zuerst, he, da schwimmt ein Hund im Wasser! Von wegen Hund - es war ein Seehund, der Fiesling tauchte dann allerdings ab. Dafür hatte es weiter hinten noch welche. Das Sonoma County ist sehr schön, aber auch heiss. In Santa Rosa angekommen, schauten wir uns zuerst einmal wie immer die Stadt an und ein Italiener hatte es uns angetan. Der Kellner, Walter, ist von Cinque Terre und sein Cousin hat die Villa Maria in Cannobbio. Walter hat uns erzählt, dass er im November jeweils mit seiner Frau Steinpilze suchen geht und zwar wachsen die nicht wie bei uns im Wald, sondern am Strand und am Strassenrand und zwar gleich kiloweise. Oftmals werden sie so ca. 25 cm gross - Beatrice, erhol Dich jetzt aber wieder! Auch Morcheln und Eierschwämme sollen in grossen Mengen vorkommen.
Nun sind wir also in S.F. und frönen dem Dolce far niente - ha, ha, ha! Aber den Besuch an der Fishermans Wharf gestern abend liessen wir uns nicht nehmen - ich musste unbedingt wieder die Seelöwen sehen. Und zwar ist das der Hafen, da liegen die Schiffe verankert. Dazwischen hat es Holzstege und auf denen liegen Hunderte von Seelöwen. Die sind die Attraktion von S.F. und demententsprechend hat es auch viele Touristen. Die Seelöwen geniessen denn auch die Aufmerksamkeit und es ist spannend zu beobachten, wie sich sich Kämpfe um den besten Liegeplatz liefern. Morgen geht es weiter Richtung Santa Cruz, da wird Théo dann wieder berichten.
Sonntag, 10. August 2008
Eigentlich wäre heute noch ein Ruhetag im Programm gewesen, aber es zog uns Richtung Süden. Da wir schon mal hier in S.F. waren, auch kein Problem. Der Morgen war fantastisch - Sonnenschein pur über S.F., aber kalt (10 Grad) und so fuhren wir los Richtung Daly City. Natürlich gings nur bergauf, und zwar fast auf 200 m/m, danach runter an die Küste nach Pacifica (36 km), und hier war wie immer Nebel und eisig kalt! Erst ab Mittag kommt hier jeweils die Sonne, aber kühl bleibt es trotzdem. Kurz nach Pacifica holte uns eine Gruppe junger Burschen auf Rennrädern ein, die ebenfalls nach San Diego wollten. Sie waren in S.F. gestartet und hatten 3 !! Begleitfahrzeuge mit. Aber das war ein so unorganisierter Haufen, wir konnten nur lachen. Alle 3 Mei-len machten die Pause um zu trinken, essen oder hatten einen Platten. Die waren die vielen Glasscherben nicht gewohnt. Und einer überholte uns an einer Steigung, konnte er ja locker - da ohne Gepäck und mit Rennrad. Aber auf halber Höhe hatte ich ihn wieder und nach etwa 30 km lud er sein Rad in Auto! Wir sahen sie noch etwa 4 - 5 mal, doch danach nie mehr bis Santa Cruz, und da wollten sie auch hin. Die Strecke war fast gänzlich am Pazifik und weil ja Sonntag war, kam sehr grosser Ausflugs-verkehr dazu. Deshalb waren wir froh, als wir unser Hotel in Santa Cruz - ein richtiger Touristenort - beziehen konnten.
Distanz: 145 km Total: 7666 km Schnitt: 18.2 km Höhenmeter: 1260 m Wetter: kühl/schön Wind: West 20 - 25 km
Montag, 11. August 2008
Heute morgen war es wie immer hier im Norden von Kalifornien - kühl und neblig! Aber heute war ein Kurztrip nach Monterrey/Carmel auf dem Programm. Wir mussten den offiziellen PacificCoastBikePath nehmen, da der HWY101 zum Freeway (nur für motorisierte Fahrzeuge) mutierte. Der Vorteil , wir waren näher am Meer und fuhren durch riesige Erdbeer-, Arti-schocken- und Broccoli-Felder. Und erst noch überhaupt kein Verkehr. In Moss Landing (52 km) genossen wir eine feine Clam Chowder im Sauerteig und danach gings weiter Richtung Monterrey. Den nächsten Ruhetag machen wir erst in Santa Barbara! Der Grund: wir wollen endlich Sonne, und zwar auch am Morgen!!! Wir fahren jeden Tag mit Armlingen und Jacken!
Distanz: 80 km Total: 7746 km Schnitt: 17.3 km Höhenmeter: 747 m Wetter: kühl/schön Wind: West 30 - 40 km
Dienstag, 12. August 2008
Schon beim Start in Monterrey, einmal mehr kühl, Nebel und leichter Drizzle, wussten wir, heute wirds sehr hart. Zuerst mal den Carmel Hill rauf - von 0 auf 180 m - und dann hügelig weiter. In Big Sur gabs Frühstück und die Sonne kam endlich über die Berge. Wer die Küste hier kennt, weiss, einfach traumhaft, aber sportlich sehr, sehr würzig (gäll Ernesto!). In Lucia (98 km) auch wieder mal ein Beizli, wo wir unsere Speicher füllen konnten. Am Hearst Castle vorbei gings nach Cambria, unserem Tagesziel. Nach über 2000 Höhenmeter - ein neuer Rekord - ein Motel mit allem Luxus! Beim Einchecken lädt uns der Besitzer gleich zu einer Wein/Käse - Degustation ein!!!
Distanz: 164 km Total: 7910 km Schnitt: 17.1 km Höhenmeter: 1271 m !!Rekord Wetter: kühl/schön Wind: West 20-25 km
Mittwoch, 13. August 2008
Dies war eine sogenannte Überführungsetappe, d.h. wir hatten zwar noch einige Hügel, aber auch flache Strecken mit riesigen Gemüsefeldern. Und man hat das Gefühl in Mexico zu sein. Die Namen der Ortschaften und natürlich die Arbeiter auf den Feldern nur Mexikaner. Das Wetter in innern des Landes sonnig und warm, aber sobald man an die Küste kommt, kühl und neblig. In Oceano hatter wir wieder Grund zum feiern: Unser 8. Tausender!!! Als wir nach 135 km in Orcutt ankamen, konnte ich es kaum glauben. Dies ist eine Stadt mit 43000 Einwohner und es gibt kein Hotel hier! Der Mann an der Tankstelle meinte nur: Wir sind ein Vorort von Santa Maria, da gibts keine Motels oder so!!! Also zurück nach Santa Maria, waren ja nur 10 km, und da gabs na-türlich alles!
Distanz: 145 km Total: 8055 km Schnitt: 18.9 km Höhenmeter: 871 m Wetter: kühl/schön Wind: Nordwest 25 - 30 km
Donnerstag, 14. August 2008
Als wir in Santa Maria beim Frühstück sassen war der Himmel noch bedeckt, aber Richtung Berge sah man doch, dass es heute einen sonnigen Tag geben wird. Und der 14. August ist für uns zwei in jeder Beziehung ein Sonnentag! Eigentlich wollten wir unser 9-Jahr-Jubiläum in Carmel feiern, doch die Sonne im Süden zog uns magisch an. Also gings heute Richtung Santa Barbara. In Lompoc (45 km) erwischte Ruth ihren 2. Nagel - natürlich wieder am Hinterreifen! Aber heute hätte ich auch einen Rahmen-bruch repariert :-)!! Und auf dieser Etappe merkte man auch gleich, dass man vom mittleren Kalifornien in den südlicheren Teil wechselt. Es wurde merklich wärmer - im innern 32 Grad - und an der Küste herrliche 27 Grad! Ein Genuss zum Pedalieren! Und dann Santa Barbara! In dieser Stadt könnte ich bleiben. Es ist eine Mischung Spanien/Tessin. An der State Street, wo wir logie-ren, gibts alles. Im Bikeshop, den ich schon auf meiner Velotour quer durch die USA (1987) heimsuchte, brachten wir unsere malträtierten Räder hin. Wir brauchten neue Ketten - man denke sich mal, wir waren über 8000 km mit den gleichen Ketten (Andreas Narr hat mir 2 mitgegeben, dass ich sie nach etwa 3000 km wechsle - verzeih mir Andi!) unterwegs. Dann musste mein Hinterrad neu zentriert werden, die Bremsen poliert und Ruth's Pedalen ersetzt werden. Ansonsten haben wir immer noch die gleichen Reifen - Schwalbe Marathon Plus - der Hammer!! Aber wie schon gesagt, an dieser State Street gibts alles zum Shoppen und natürlich fantastische Beizen und alle mit Garten! Da sitzt man nicht drinnen, weil hier regnets in der Zeit nie! Und deshalb geniessen wir hier noch 2 Tage und werden erst am Sonntag Richtung L.A. weiterstrampeln!
Distanz: 136 km Total: 8191 km Schnitt: 20.3 km Höhenmeter: 1072 m Wetter: schön Wind: Nordwest 20 - 30 km
Sonntag, 17. August 2008
Frisch erholt, die Räder überholt, starteten wir relativ früh bei bedecktem Himmel, aber warmen Temperaturen! Wieder mal kurz fahren - so schön! Es ging auch gleich über mehrere Hügel, doch nach gut 20 km immer dem Meer entlang und zwar flach! Na-türlich viel Verkehr und viele Sonntagsradler, die sich an uns hefteten und viele Fragen stellten - war wirklich abwechslungsreich. Dann Malibu mit den fantastischen Villen. Hier scheint Geld wirklich keine Rolle zu spielen - einer hatte sogar einen 3-Loch-Golf-platz auf dem Felsen vor seinem Häuschen, mit Putting-Aerea! Von Malibu bis ans Ziel in Venice Beach in L.A. wars dann noch-mals recht wellig, aber natürlich nicht mehr so happig wie bei Big Sur.
Distanz: 147 km Total: 8338 km Schnitt: 20.3 km Höhenmeter: 740 m Wetter: schön Wind: West 20 - 30 km
Montag, 18. August 2008
Auch heute wars recht stark bewölkt, aber schon über 20 Grad. Und viele Jogger, Radler und Surfer schon früh am Morgen an der Beach. Ein Radweg führte voll am Strand entlang und so war es recht unterhaltsam all die Typen zu beobachten. Venice Beach ist wirklich die Küste der Selbstdarsteller. Bei Hermosa Beach (23 km) gings in die Hügel und dann runter durch die Indu-striegebiete von L.A. - grauslig! Nach gut 3 Stunden hatten wir den Betonhaufen hinter uns und die schönen Beach-Orte folgten sich Schlag auf Schlag - Long Beach, Seal Beach, Huntington Beach, Laguna Beach usw. Unser Ziel heute: Oceanside. Es wurde recht warm im Laufe des Nachmittags (30 Grad), doch der Wind vom Meer war herrlich. Trotzallem ein langer und kräfte-zehrender Tag, aber halt schon schön bei den Temperaturen. Morgen gehts nach San Diego - Final Destination - und erst noch nur etwa 75 km - ein Schaulaufen für uns!!!
Distanz: 161 km Total: 8499 km Schnitt: 19.4 km Höhenmeter: 882 m Wetter: schön Wind: West 20 - 25 km
Dienstag, 19. August 2008
WE DIT IT !!! Wir haben unser Ziel erreicht! Heute Nachmittag, um 1300 gelangten wir an die Bay von San Diego und bezogen gleich hier ein Hotel. Es war wie erwartet ein gemütlicher letzter Trip von Oceanside über Del Mar und La Jolla hinein in diese wunderschöne Stadt. Das Wetter wie man es sich hier das ganze Jahr gewohnt ist - Sonne und herrlich blauer Himmel! Wir begossen unsern Erfolg gleich im "Del", so nennen die Einheimischen hier das weltberühmte Hotel Del Coronado auf der gleich-namigen Insel. Jetzt geniessen wir hier unseren 6. Ruhetag und dann gehts weiter. Was?!? werdet Ihr fragen. Ja, unser Swiss Flugzeug startet in L.A. am Montagabend, d.h. also, wir radeln die 220 km von San Diego zurück, sind am Freitagabend wieder in L.A.!! Hier werden wir das Wochenende verbringen und landen am Dienstagnachmittag um 1600 Uhr wieder in Zürich.
Eigentlich wollte ich gestern gleich nach unserer Ankunft in San Diego an den Computer, aber die Emotionen waren zu gross, ich hätte keine Worte gefunden. Jetzt ist es hier Mittwochmorgen und ich konnte mal über das Ganze schlafen. Ein weiterer Traum in meinem Leben hat sich erfüllt. Und diesen Traum durfte ich mit meinem Allerliebsten was ich habe, meinem Schatz Ruth, erleben. Was diese Frau geleistet hat, kann man sich gar nicht richtig vorstellen. Auf der sportlichen Seite sind das 8566 km und 54717 Höhenmeter (nur Steigungsmeter), dazu kommt die physische und psychische Seite, die man nicht beschreiben kann. Wir sind nun seit dem 1. Juni, also 80 Tage, rund um die Uhr zusammen und wir geniessen es!!! Wir konnten so viele wunderbare Momente miteinander erleben, sei es in den riesigen Wäldern Kanadas, den endlosen Prärien, den unzähligen Seen mit den vielen Tieren oder der gewaltigen Küste am Pazifik, das würde ein ganzes Buch füllen. Ich bewundere und verehre diese Frau aus tiefstem Herzen und bin überglücklich, dass ich sie kennenlernen durfte!!!
Distanz: 67 km Total: 8566 km Schnitt: 19.6 km Höhenmeter: 529 m Wetter: schön Wind: West 10 - 20 km
WIR HABEN EINEN NEUEN FOLDER "SAN DIEGO" UND DARIN DIE NEUSTEN FOTOS GELADEN!!!
Ruth:
Mein letzter Bericht aus Übersee - mal schauen, was mir noch einfällt!
Aha, ja, das wollte ich ja noch hinzufügen: Bei der Foto, wo man einen weissen Haufen sieht und vorne das Schild "Seafood Restaurant" - der weisse Haufen, das sind alles Austernschalen. Solche Haufen findet man immer wieder an der Strasse resp. dem Ufer entlang. Es stinkt denn auch dementsprechend....
In meinen Notizen habe ich von der Strecke San Francisco - Santa Cruz nur vermerkt, dass es hart war. Hart und steil und kalt und hässlich, wenigstens am frühen Morgen, als Théo mich durch S.F. gejagt hat! Die Fahrt dann aber von Santa Cruz nach Monterrey, die hat uns für die Strapazen des vorigen Tages entschädigt. Riesige Felder von Erdbeeren, Rosenkohl, Broccoli und Artischocken säumten die Strecke. Und überall fleissige Mexikaner, die die Erdbeeren wahrscheinlich für einen Hungerlohn pflückten, die wir teuer im Coop dann kaufen können. Ein Highlight für mich war dann das Mittagessen. Nicht das Essen, aber die vielen Seelöwen und Seehunde, die sich vor unserem Fenster tummelten. Und wer wissen will, wie die Seelöwen heulen - Théo kann es inzwischen genauso gut! Ich bin ja total ein Fan vom Seegetier und wir wurden in den folgenden Tagen denn auch reich belohnt. Seelöwen, Seehund, See-Elefanten - alles haben wir gesehen. Absolut traumhaft waren auch immer wieder die Delfine, die in geschmeidigen Bewegungen im Meer ihre Bahnen zogen. Zwischen Monterrey und Cambria passierten wir eini-ge frisch gelöschte Waldbrände. So etwas gibt einem schon zu denken. Man schmeckte immer noch den Rauch, die Asche war noch ganz weiss - ein Zeichen, dass es noch nicht lange her war, dass der ganze Hügel brannte. Links die verbrannte Erde, rechts das Meer .... dazu die Strasse, die auf den Klippen manchmal haarscharf am Abgrund vorbeiführte. Wenn uns ein Auto-fahrer "getütscht" hätte - wir wären mitsamt den Velos die Klippen heruntergestürzt und auf Nimmerwiedersehen verschwun-den. Deshalb benutzte ich ab und zu auch die ganze Spur der Strasse! Ein weiterer Höhepunkt war dann , also wir so fuhren und plötzlich beide gleichzeitig eine Wasserfontäne aufspritzen sahen, dann folgte eine Flosse - ja, es waren Wale, die durch das Wasser pflügten! Apropos Cambria: auf dem Weg nach Santa Maria glaubten wir beide , einer Sinnestäuschung zu unterliegen! Weideten doch auf einer Wiese (wenn man dem braunen Gewächs so sagen kann) Kühe. Ok, Kühe das ist normal. Aber nicht normal ist es doch, wenn eine Kuh ein Riesengeweih, mindestens ein Achtender trägt, oder? Beide schauten, schauten noch-mals, schauten uns an - ja, es war ein Hirsch, der ganz gemütlich zwischen den Kühen weidete. Unglaublich!
Von Santa Maria nach Santa Barbara wussten wir, dass wir noch zwei rechte Berge zu bewältigen hätten. Den ersten hinter uns lassend, ging es weiter. Gleich zu Beginn setzte über unseren Köpfen eine MD11 aus dem Irak zur Landung auf dem Flughafen Vandenberg - einem wichtigen Pazifikstützpunkt der US Army - an, gefolgt von einer Galaxy, die Material wie Helikopter, Panzer etc. zurückbrachte. Für einen ehemaligen Fluglotsen natürlich sehr interessant. Weiter ging es den verd.... Berg hinauf. Ein Schei...belag auf der Strasse, heiss wie verrückt, links und rechts fast nur Wüste, immer steigend - und dies rund 30 km lang! Aber auch das schafften wir und mit der Rückkehr an die Küste wurde es gottseidank auch wieder etwas kühler. Wir passierten das Ausbildungszentrum der NASA, alles mehrfach gesichert, traumhafte Villen - die Eindrücke lassen sich gar nicht alle hier auf-zählen. In Santa Barbara brachten wir dann zuerst einmal unsere Velos zu einem Meccano, um die armen Dinger endlich mal wie-der etwas überholen zu lassen.
Nach zwei Ruhetagen ging es dann von Santa Barbara Richtung Los Angeles. In Malibu wurden wir mit einem gekühlten Frucht-saft von Brad Pitt empfangen, Pamela Anderson wischte und den Schweiss von der Stirn und Angelina Jolie massierte uns die Füsse - FATA MORGANA!! Aber Traumvillen hat es hier - verrückt! Das kann man sich gar nicht vorstellen und Geld spielt über-haupt keine Rolle. Wie sonst könnte man eine Riesenvilla auf einen öden, trockenen, verdorrten Berg stellen und rund um die Villa rum wächst und grünt es? Wasserverschwendung ist hier kein Thema!
In L.A. verbrachten wir eine Nacht im Best Western an der Venice Beach. So viel "Gestörte" wie hier trifft man glaube ich nirgends sonst auf der Welt! Die Venice Beach ist ja aber auch berühmt dafür. Der nächste Tag führte uns dann noch durch den Rest von L.A. Richtung San Diego. Die Fahrt war okay, wie immer, rauf und runter wie immer, heiss wie immer in den letzten Tagen - nur, wisst Ihr, wie eine Dampfmaschine macht, die zu fest geheizt wird? Das Ventil pfeift und dampf zum letzten Loch raus! So ging es mir, als mein lieber Schatz auf den Interstate 5 einbog. 10 km im Garacho, er voraus, ich wie gesagt mit Voll-dampf hintennach - und warum? Der Interstate 5 ist eine 8-spurige Autobahn!!!!! Definitiv nichts für mich, aber die lieben Amis hatten für diese Etappe schlichtweg vergessen, dass es auch noch ein anderes Fortbewegungsmittel als das Auto gibt! Also keine Möglichkeit, einen etwas gemächlieren Weg zu wählen. Und das Schlimmste: immer wieder hatte es Spuren von Unfällen auf dem Pannenstreifen - so hofften wir, dass wir dieses Abenteuer auch noch heil überlebten. Für den Rückweg werden wir nun einen Umweg in Kauf nehmen, in der Hoffnung, dass wir dann nicht zu sehr strapaziert werden :-)!!
Dem Höhepunkt näherten wir uns dann mit der Einfahrt nach San Diego. Ich muss sagen, ich war beeindruckt. Diese Stadt ist einfach traumhaft. Wunderschön die Skyline, das blaue Meer, die weissen Schiffe und die gepflegten Anlagen. Diese Stadt wür-de ich L.A. und S.F. auf jeden Fall vorziehen. Und der Besuch im Del Coronado war für uns den auch ein Muss. Bei einem Glas Zinfandel feierten wir das Erreichen unseres Zieles, genau wie wir den Start unserer Reise im Schloss Frontenac in Quebec feier-ten! Ich hätte ja nie gedacht, dass ich diese Reise wirklich schaffen würde, denn zu meiner Schande muss ich gestehen, ich hatte genau 200 Velokilometer seit letztem Jahr in den Beinen! Das einzige Training, für das ich ab und zu Zeit hatte, war, von der Firma nach Hause zu marschieren oder in Flims auf einem der Höhenwege etwas Muskeln anzutrainieren!
Zum Schluss möchte ich allen danken, die uns in irgend einer Form während dieser Zeit unterstützt haben:
zunächst meinen Söhnen, die zu Hause zum Rechten geschaut haben und uns so ermöglichten, dass wir uns voll auf die Reise konzentrieren konnten
- vielen herzlichen Dank an Hansjörg Seiler für seine Unterstützung
- ganz, ganz herzlichen Dank an die beiden Manis, den einen für die Führung der Kilometerbuchhaltung und dem seelischen Support, den anderen Mani und seiner Angelika für Ihre Anrufe und Ihr Interesse
- dem besten Velogeschäft der Schweiz, Andreas und Ursi Narr aus Thayngen, für die gute Beratung und den Verkauf der besten Velos, die man sich vorstellen kann (ich habe immer noch meine Schwalbe Marathon Plus drauf, trotz zweier Nägel) und für den technischen Support.
- ganz, ganz herzlichen Dank aber auch all unseren Freunden, die uns via E-mails und SMS mit Nachrichten aus der Heimat ver-sorgt haben. Wir können gar nicht alle Namen einzeln aufzählen. Es war für uns eine grosse Unterstützung, dass wir immer auf Euch zählen konnten.
Und weil wir überhaupt nicht müde sind und weil radeln so schön ist, werden wir morgen also nach L.A. zurückradeln. Wir freuen uns auf unsere Rückkehr und auf das Wiedersehen mit Euch allen! So long!